Wir machten ein paar schöne Fotos, natürlich auch von den Enten und ließen den Tag ausklingen. Wir wollten mal etwas früher ins Bett um an anderen Tag beizeiten den Lough Ree zu überqueren. Unser Guide empfiehlt die Morgenstunde um 6 Uhr für eine Seeüberquerung. Wir waren gespannt, ob wir auch so früh über den See kommen. Wie schon am Acres Lake erschienen gelegentlich Dorfbewohner auf einem Spaziergang durch den Hafen. Offensichtlich ist es eine Sitte, zu schauen ob denn ein neues Schiff im Hafen liegt. Auch die Kinder kamen in kleinen Gruppen und betrachteten neugierig die Boote. Hier natürlich auch die Enten. Und wieder versank ein Tag im Abend.
03. Juli - Lecarrow, Lough Ree bis Shannonbridge
Um halb sechs klingelte der Wecker, wie geplant. Wir standen schnell auf und legten um 6:00 Uhr ab. Während der Fahrt machte Heidi den Frühstückstee. Wir wollten keine Zeit verlieren und im Kanal war noch genug Zeit um Tee zu trinken. Es war ein schöner Morgen. Wie erwartet regte sich noch kein Lüftchen und der Himmel sah auch nicht so grau aus wie in den vergangenen Tagen. Wir erreichten den Lough Ree, ohne daß die Filter verkrautet sind. Die Fahrt über den See wurde gefilmt. An diesem Morgen war der See friedlich, nur ganz kleine Wellen trieben sich quirlig im Wasser herum. Die Wolken rissen zeitweise auf und die Morgensonne tauchte den See in ein bezauberndes Licht. Die Bojen leuchteten in der Sonne so hell, daß man sie bereits von Weitem ohne Fernglas erkennen kann. Wir waren allein, niemand hat außer uns versuchte an diesem Morgen so früh den See zu überqueren. Ohne eine Bootsbegegnung erreichten wir Athlone. Der bewachte Anleger war voll und auch oberhalb der Schleuse war kein Platz mehr frei. Am linken Ufer unterhalb der Brücke lag nur ein Wikingerschiff, wir fuhren hin und legten davor an. Es war gute Zeit für ein Frühstück.
Wir waren gerade mit dem Frühstück fertig, als ein ganz eiliger am Anleger oberhalb der Schleuse ablegte. Er fuhrt auf die Schleuse zu, die aber noch geschlossen ist. Es ist gerade um 9:00 Uhr und die Schleusenbesatzung macht ihren Morgencheck. Der Eilige hat eine kleine kanadische Flagge im Heck. Er mußte vor der Schleuse abdrehen und kam gefährlich nahe an das Wehr. Danach kreiste er vor der Schleuse. Etwas später legte ein weiteres Schiff ab, schaffte es aber auch nicht in die Schleuse und mußte ebenfalls mitkreisen. Wir schauten dem Treiben interessiert und belustigt zu. Endlich ging die Schleuse auf. Der Kanadier stellte sich bei der Einfahrt erst mal quer um dann glücklich hineinzulaufen. Der andere schaffte es besser und legt hinter ihm an. Ein drittes Boot kam durch die Brücke und verfehlte die Schleuse, so daß es auch eine Runde drehen mußte. Werner sagte zu Heidi: "Komm wir legen ab, es ist nicht viel los und noch Platz für uns in der Schleuse."Schnell stellten wir das Geschirr in die Spüle, machten die Leinen los und fuhren in einem weiten Bogen direkt in die Schleuse. So kam es, daß wir als drittes Schiff in die Schleuse einliefen. Insgesamt wurden fünf Schiffe bei diesem ersten Schleusengang geschleust. Der Kanadier lieft vor uns aus und wir fuhren als zweites. Das Schiff das als zweites in die Schleuse eingelaufen ist, eine Birchwood lief hinter uns aus. Wir fuhren langsam, es war schließlich noch Hafengebiet und da gelten 5 km/h. Plötzlich versuchte die Birchwood rechts zu überholen, obwohl wir bereits weit rechts fuhren. Möglicherweise ein Ire, der linksfahren gewohnt war. Werner fand das garnicht spaßig und legte den Hebel auf den Tisch. Die Birchwood hatte keine Chance und reihte sich hinter uns ein. Da wir noch eine ganz schöne Strecke vor uns hatten, fuhren wir mit etwa 1800 Touren, was uns ca. 12,5 km/h verlieh. In diesem Tempo ging es weiter durch die Shannonlandschaft.
Der Fluß war unterhalb von Athlone recht breit und man erkannte, daß das Hochwasser immer noch die angrenzenden Wiesen überflutete. Allgemein ist die Landschaft flach, von kleinen Buschgruppen unterbrochenes Wiesenland. Durch das Hochwasser hatten sich so viele kleine Inseln gebildet, die sicher sonst Wiese sind, so daß wir meist nicht wußten, wo wir waren. Unser nächster Markierungspunkt war Clonmacnoise. Immer noch fuhren die drei Schiffe in der gleichen Formation hintereinander. Auch in Clonmacnoise scherte keiner aus. So erreichten wir gemeinsam Shannonbridge, unser Tagesziel. 100 m vor der Brücke ist ein 5 km/h-Schild und wir hielten uns daran. Als unser Schiff die Brücke durchfuhr, ist ein anderes Schiff hinter uns. Keiner hatte gesehen, wo es her kam. Gleich hinter der Brücke wurden wir dann von diesem Boot rechts überholt. Es war ein Privatboot und der Fahrer verwechselte wohl den Shannon mit der Autobahn. In halsbrecherischer Fahrt fuhr er zwischen den Markierungen hindurch, das Heck tief im Wasser und die Heckwelle ist so gewaltig, das wir gehörig durchgeschüttelt wurden. So sehen also die Rowdies am Shannon aus. Leider hatten wir mit Steuern und Kurs zuviel zu tun um uns den Namen des Rowdies zu notieren. Wir sahen ein Schiff aus dem River Suck herausfahren um Kurs auf den Kanal zu nehmen. Dort wollten wir auch hin. Langsam fuhren wir hinterher, während der Kanadier und die Birchwood weiter den Shannon hinab fuhren. Im Kanal sind nur runde Eisenpfähle in das Ufer getrieben und wir hatten Angst, daß wir nicht an Land kommen. Im Vorbeifahren erkannten wir das andere Schiff, es war unser Päckchen vom Richmond Harbour. Fröhlich wurde gegrüßt.
Zurück am Anleger von Shannonbridge wollten wir am Ende Flußabwärts anlegen. Beim ersten Anlauf übernahm ein freundlicher alter Ire das Seil, legte es aber nicht gleich um den Poller und so kam es, daß er das von einer starken Strömung erfaßte Schiff nicht halten konnte. Werner hätte etwas Fahrt voraus machen müssen, was er aber nicht tat. Dadurch gerieten wir hinter den Anleger und mußten nochmal anlaufen. Diesmal fuhrt Werner etwas forscher heran und da klappte auch das Anlegen. Nun erst sahen wir, was hier für eine Strömung herrscht. Außerdem ging bereits ein kräftiger Wind (mindestens 6 bft), der die Strömung noch antrieb. Nach dem Anlegen hielt Werner noch etwas Smalltalk mit dem alten Iren doch dann wollten wir uns erstmal ausruhen. Der Tag war bereits lang genug gewesen und ein Mittagsschläfchen tat uns beiden gut.
Nachmittags schauten wir uns den Ort an und kauften eine Kleinigkeit ein. Außer der Brücke und der Festung aus Napoleonischer Zeit gab es nichts zu sehen. Wir gingen wieder zum Anleger, wo es mittlerweile recht voll geworden war. Nach und nach kamen noch weitere Schiffe an und bald lagen viele bereits in zweiter Reihe. Eine Birchwood, die oberhalb der Brücke gelegen hatte lief aus und machte recht merkwürdige Manöver. Es sah so aus, als wollten sie anlegen, können aber nicht. Dann fuhren sie langsam den Anleger hinunter und versuchten mehrmals rückwärts gegen den Strom anzulegen. Auch neben uns wollten sie anlegen, was aber wegen des Dinghis, welches sich zwischen uns schob verhindert wurde. Das Schiff trieb in der Strömung weiter ab und schnell verholten sie das Dinghi und fuhren wieder rückwärts an uns heran. Mittlerweile hatten sich mehrere Männer eingefunden um beim Festmachen zu helfen. Diesmal konnten sie im Päckchen anlegen, weil viele Hände halfen. Aus dem Gespräch erfuhren wir nun, daß die abenteuerliche Fahrweise einen ganz plausiblen Grund hatte. Die Birchwood von Ireland Line Cruisers hatte einen Steuerungsschaden und war fast manövrierunfähig. Wir wollten die Stümper schon auslachen und mußten nun erfahren, daß der Steuermann bestes geleistet hatte.
Es wurde dann noch ein lustiger Abend und zweimal kam ein Monteur um ein Hydraulikteil am Ruder auszutauschen. Spät am Abend fuhr die Birchwood dann noch weiter Flußabwärts. So waren wir das einzige Schiff am Anleger, das kein Päckchen hatte, obwohl es bereits Dreierpäckchen gab. Abends war es wieder 23 Uhr geworden, als wir endlich in unsere Kojen gingen.
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