Am späteren Nachmittag gingen wir etwas spazieren, Heidi sollte ihr Knie bewegen, damit es nicht ganz zuschwillt. Wir liefen vom Anleger bis zur Hauptstraße und zurück. Dabei sahen wir uns den Stacheldraht der Landbesitzer an und begutachteten die neuen Außenanlagen des Hafens. Es wird sicher schön hier, wenn es fertig ist. Ob allerdings der Aufwand lohnt wird die Zukunft zeigen. Uns gefällt der Hafen jedenfalls sehr gut. Werner kochte Miracoli, da konnte er kaum was falsch machen und daß er die Butter vergaß schmeckte man gottseidank nicht. War also ein choelesterinarmes Essen. Währen des Essens beobachteten wir zwei Iren, die ein Holzboot mit Außenborder, das beim Parkplatz auf Land lag flott machen. Die Zwei mühen sich mächtig und brachten den Kahn auch zu Wasser. Schnell waren sie auf dem See verschwunden und wir hatten nicht einmal eine kleine Welle bemerkt. Die Ruhe dort war fantastisch. Wenn man auf dem Steg stand war außer dem Plätschern des Wassers und dem Gezwitscher der Vögel nichts zu hören.
Damit war wieder ein Tag vorbei, viel zu schnell vergeht die Zeit.
29. Juni - Lough Allen bis Grange
Frühmorgens um sechs wurden wir vom Wind geweckt. Der Wind kam aus Südost und ließ unser Schiff schaukeln. Wir hatten Angst, daß es schlimmer wird und auf dem Lough Allen ist es bei solchen Winden ungemütlich. Also beschlossen wir, sofort auszulaufen und an der Jetty vor der Schleuse festzumachen. Dort ist es geschützter und außerdem könnten wir dann bei jedem Wind weiter Richtung Shannon fahren. Der See war uns gewogen und die Wellen waren kaum 10cm hoch. Da war es am Vortag schlimmer. Problemlos erreichten wir den Anleger bei der Schleuse. Es war so um halb acht und damit für fast alles zu früh. Wir setzten den unterbrochenen Schlaf fort indem wir uns nochmal richtig in die Koje hauten.
Mittlerweile war es 10:00 Uhr als wir endlich aus den Federn krochen. Beide hatten wir richtig fest geschlafen. Aufstehen und ein Morgentee, dann ging es ab nach Drumshanbo zum Einkaufen. Der Weg kam uns auch nicht kürzer vor als von Acres Lake, aber er war unsicherer. Fast die ganze Zeit fehlte der Bürgersteig und wir liefen am linken Fahrbahnrand. Plötzlich kam uns auf der andern Straßenseite ein Bulle entgegen, ein Bauer lief nebenher und bewachte das Tier. Strick oder Nasenring hatte der Bulle nicht, aber es war ein stattliches Tier. Der Bauer grüßte freundlich und wir grüßten zurück, das ist Irland. Der Einkauf ging schnell, wir hatten uns mittlerweile an das irische Warenangebot gewöhnt.
Zurück auf dem Schiff machte Werner erst einmal den Wassertank voll und schrubbte so nebenbei ein bißchen das Deck. Als wir gerade noch überlegten, ob wir das Mittagessen kochen oder nicht kam der Lockkeeper. Wir beschlossen die Mittagspause im Acres Lake zu machen und ließen uns noch schnell schleusen. Das war die letzte Schleusung vor dem Lunchbreak.. Der Lockkeeper erkannte Werner wieder und fragte nach Heidis Bein und überhaut danach wie es uns gefallen hat. "The lake is a nice place" sagt Werner und stolz pflichtete der Lockkeeper bei.
Unsere Lunchtime fand im Acres Lake statt. Heidi kochte ein irisches Frühstück mit Rushers, Ei und Würstchen, dazu gab es Brot. So spartanisch das Essen war, schmeckte es uns doch vorzüglich. Kurz nach 14 Uhr starteten wir Richtung Carrick. Der Kanal war noch genauso atemberaubend wie vorgestern und wir hatten zwei Schiffsbegegnungen, was in dem engen Kanal garnicht so einfach ist. Wir schafften beide ohne Berührung was jedesmal mit einem Gruß und gehobenem Daumen quittiert wurde. Werner kam auch mit den Schleusen allein ganz gut hin und half jedesmal beim Tor schließen. Bei Battlebridge Lock regnete es so sehr, daß Werner gutwillig die Regenjacke anzog, im Drumleague Lock war sein T-Shirt bereits naß geworden. Bis Carrick ging alles ganz normal, wir waren das Bootfahren schon gewöhnt.
In Carrick wollten wir tanken, im Tank fehlte bereits 1/3 und da war es besser, wenn wir wieder auffüllen. Werner wollte eigentlich bei Carrick Craft anlegen, aber da es Samstag also Übernahmetag war hatten die sogar die Tankstelle zugeparkt. Im Vorbeifahren hatten wir bei Emerald Star Line auch eine Zapfsäule gesehen und die war noch zugänglich. Also Wende über Backbord und zurück. Das Anlegen war wegen der Strömung gar nicht so einfach und Werner mußte nach einem Festmacheversuch, wo er bereits das Heck angebunden hatte noch schnell eine Kehre fahren. Diesmal fängt er mit dem Bug an und ein Junger Mann von Emerald hilft. Werner macht dem Jungen Mann klar, daß er tanken will und der ist sofort dabei und schaltet die Tanksäule ein. Zum bezahlen muß Werner in das Office gehen. Auf dem Shannon war was los etliche Schiffe machten ihre Einweisungsfahrt und da ging es manchmal eng zu. Unterhalb von Crown Blue Line war wieder Ruhe auf dem Fluß. Die Neuankömmlinge hatten wahrscheinlich noch zu tun um ihr ganzes Gepäck an Bord zu sortieren. Unser Ziel waren die Carnadoe Waters, Heidi entschiedet sich nach einigem hin und her für Grange, weil sie Angst hat, daß wir in Kilglass keinen Platz mehr finden. Es wurde beschlossen, daß wenn in Carnadoe Quay ein Platz frei ist, dort übernachtet wird.
Kurz vor der Einfahrt in den Jamestown Canal überholte uns ein kleines Privatboot, die 'Rose of Aquitane'. Die sollten wir in Albert Lock wiedertreffen, wo wir ohne Halt gleich einlaufen konnten. Werner hatte alle Hände voll zu tun, um zwei Leinen zu beherrschen, aber es ging. Wo ein Wille ist... Er gab dem Privatboot ein Zeichen, daß dieses zuerst auslaufen soll. Werner hatte mit dem ordentlichen Einholen der Leinen noch zu tun. Nach dem Auslaufen schoß Heidi die Heckleine auf und zeigte, daß sie nun auch wieder zur Bootsmannschaft gehörte. Die Krankheitspause war beendet. Werner befahl ihr aber, sich noch zu schonen.
In Carnadoe Quay war alles voll. Sicher wäre noch Platz zu bekommen gewesen, wenn die Privatboote etwas zusammenrücken würden, aber wir wollten keine Umstände machen. Also ging es weiter Richtung Grange. Mittlerweile ging es auf 20 Uhr und wir suchten angestrengt die Stelle, wo sich der Weg nach Kilglass und Grange teilt. Irgendwie sah alles gleich aus und genau wußten wir nicht, wo wir waren. An der Gabelung war dann alles ganz einfach und wir nahmen den Weg nach Grange. Die Landschaft ist umwerfend, zumal das Wetter freundlich wurde und die Sonne längere Zeit zum Vorschein kam.
Vor der Einfahrt zum Anleger in Grange lag ein Boot und die Besatzung paddelte mit zwei Wasserski, trotz dieser absonderlichen Situation zeigten sie uns die Einfahrt zum Hafen, weil am anderen Anleger alles voll war und nur die gefährliche Ostseite noch frei war. Wir fanden noch einen freien Platz und legen an der Wiese an. Der Hafen in Grange war noch nicht fertig und die meisten Anleger waren am Wiesenufer, nur direkt unter dem Silver Eel Pub war ein Schwimmponton aus Kunststoffelementen. Außer uns lag noch ein Schiff von Crown Blue Line, sonst alles Privatboote. Wir besichtigten den Hafen. Immer noch kamen neue Privatboote an. Es wurde zusammengerückt und auch Werner zog unser Schiff etwas weiter nach vorn um Platz zu schaffen. Abends zogen zwar einige Wolken auf, aber es war windstill und trocken. Gegen Mitternacht krochen wir in die Kojen.
|