Wieder auf dem Boot angekommen wurde erst einmal der Kühlschrank bestückt. Dann kochte Heidi Kaffee und wir stellten fest, was wir vergessen haben: Küchentücher, Tee und Müllbeutel. Der Kaffe und die Rosinenbrötchen schmeckten, besser als die Muffins, Heidis Welt waren sie nicht und Werner bekam einen halben Muffin mehr. Nach dem Essen schlenderten wir zur Schleuse um uns das mal ganz unbeteiligt anzusehen. Das Wetter war bereits wieder sonnig. Ist schon beeindruckend, mit wieviel Langmut und Freundlichkeit die Freizeitschiffer behandelt werden. Beruhigt sahen wir, daß andere auch so ihre Probleme mit dem Steuern haben. Da krachte einer ans Schleusentor und der andere riß sich eine Fender ab aber keiner lachte.
Wir gingen noch schnell die letzten Dinge einkaufen und machten uns auf den Weg zurück zum Schiff. Weiche Knie vor dem Ablegen, aber Heidi meisterte die Bugleine problemlos. Wir waren wieder auf dem Shannon.
Die Rückfahrt ging zügig. Wenn man die Gegend so wie wir bereits kennt, ist es plötzlich ganz einfach, die Bojen zu finden und anzusteuern. Wir fuhren gleich in die Inner Lakes. Bei der Einfahrt kam uns ein großer Ausflugsdampfer entgegen, der Schiffsführer bedankte sich artig, weil wir ihm so viel Platz lassen. Gegen 18:30 Uhr erreichten wir wieder die Marina und das Anlegen ging bereits wie geschmiert. Heidi fing sofort mit dem Kochen an und Werner macht 'Rein Schiff'. Bereits in Athlone hatte Heidi festgestellt, daß sie am Vortag ihre Basecap in den Killinure-Chalets liegen ließ. Da blieb uns also nichts weiter übrig, als noch ein Guinness trinken zu gehen. Die Basecap lag auf dem Tresen - it's Ireland. Wir gingen bereits nach einem Pint, denn wir wollten noch duschen, und eigentlich wollten wir am nächsten Tag früh aufstehen.
24. Juni - Start in den Norden
Um 8:00 Uhr war die Nacht vorbei. Doch etwas später als geplant und wir gewöhnten uns an das gemütliche Leben an Bord. Heidi kochte Tee zum Frühstück und wir aßen Baguette von gestern. Der Rest kam in das Gefrierfach. Ablegen und Ausfahrt klappten wie am Schnürchen. Es hatte sich gelohnt, daß wir gestern ein bißchen geübt hatten. Start über den Lough Ree. Die Überfahrt bis zur Boje 1 ging ganz gut, der See war zwar unruhig aber noch gutmütig. Wir entschlossen uns, den Kurs hart unter den roten Bojen zu nehmen, damit wir so weit wie möglich in luv fahren können. Steuerbord voraus war ein anderes Boot zu sehen, das weiter weg in lee fuhr. Die Bojen sind zwar weit voneinander entfernt, aber mit dem Glas konnte man die nächste erkennen.
Die Navigation klappte hervorragend und Heidi entwickelte sich zum professionellen Bojenfinder. Bei Boje 6 ließen wir das in Lee fahrende Schiff hinter uns und es folgte uns brav im Kielwasser. Bis zur Boje 7 hatten wir ganz beachtliche Wellen, die uns richtig durchschaukelten. In Lee von Quaker Island wurde es wieder ruhiger, aber noch war der See nicht am Ende. Es schaukelte uns noch ein paar mal durch bis wir gut erhalten wieder in den Shannon einbogen. Nun wissen wir auch, warum davon abgeraten wird, den See bei starkem Wind zu überqueren. Das Kraftwerk von Lanesborough zog an Steuerbord vorbei und die Zeit des Vollgasfahrens war zu Ende. Wir wußten zwar nicht immer wo wir waren, aber der Weg ist ja nicht zu verfehlen. Die Zeit sagte, daß wir uns beeilen sollten, wenn wir in Tarmonbarry noch vor der Lunchtime geschleust werden wollen.
Wir überholten ein Sedan-Boot von Carrick Craft, das uns zu langsam erschien, langsam wurde es eilig um die Schleuse zu erreichen. Wir hielten Ausschau nach der Einfahrt in den Camlin River und dachten immer: "Hier ist es!" Aber Fehlanzeige. Dann sahen wir die Einfahrt und waren auch schon an der Schleuse von Tarmonbarry. Vor der Schleuse mußten wir warten und alle Überholer und überholten trafen sich wieder. Da der Anleger belegt war, mußten wir kreisen und die Reihenfolge verschwamm. Wir fuhren als zweite in die Schleuse und es klappte, sicher Anfängerglück. Heidi hatte sicherheitshalber eine Schwimmweste an und hielt die Bugleine. Sie war ganz schön nervös, aber außer Werner hatte das keiner bemerkt. Werner versuchte sich als Seemann und warf die Leine dem Lockkeeper vor die Füße, statt sie in den Bootshaken zu hängen. Als wir fast fertig waren sagte der Lockkeeper zu Werner: "You can go straight to the Bridge", Sein Gehilfe gab Heidi ein Handzeichen wie: 'Ihr paßt unter der Brücke durch'.
Eigentlich wollten wir in Tarmonbarry anlegen, da aber bereits viele Plätze belegt waren, wollten wir denen, die wegen der Lunchtime nicht die Brücke passieren konnten nicht den Platz wegnehmen und fuhren mutig auf die Brücke zu trotz roter Ampel. Langsam fuhr Werner das Schiff unter die Brücke, es war knapp, aber der Platz reichte. Was nicht reichte war die Geschwindigkeit und die Strömung stellte das Schiff quer. Nach kurzem Rückwärtsschub wurde ein neuer Anlauf gestartet. Diesmal fuhren wir schneller, denn wir wußten ja, daß der Platz reicht. Ohne Probleme fuhren wir zwischen den Flußaufwärts der Brücke kreisenden Schiffen hindurch und unsere letzte Hoffnung, noch einen Anleger zu erwischen schwand dahin. Wenn die anderen vor der Brücke in Tarmonbarry warten müssen, sind wir mit Abstand die ersten in Rooskey. Also entschlossen wir uns gleich weiter zu fahren.
Es ist wirklich besser, wenn man nicht im Verband fährt, da ist weniger Stress und man kann seine Geschwindigkeit so langsam wählen wie man will. Es war eine landschaftlich reizvolle Strecke zwischen Tarmonbarry und Rooskey. Der Fluß hatte teilweise die Ufer überschwemmt, man konnte Weidezäune sehen, die im Wasser verschwinden. Wie mag es hier aussehen, wenn der Fluß wenig Wasser führt? Wir beschlossen, wie in der Guide von R. Steinacher empfohlen am Ostufer oberhalb der Schleuse zu übernachten.
Es war kurz vor drei als wir in Rooskey ankamen, gerade zurecht um in die Schleuse einzulaufen. Die Übung von Tarmonbarry wurde wiederholt und wir kamen uns vor als ob wir schon immer durch Schleusen gefahren wären. Es hatte sich gelohnt, daß wir in Athlone zugeschaut haben. Kaum daß wir aus der Schleuse heraus waren, war an Steuerbord ein freier Anlegeplatz in Sicht. Werner steuerte ihn Lehrbuchhaft an (wie Norbert es gezeigt hat) und schickte Heidi zum Bug, die Bugleine festzumachen. Heidi hatte Angst vom Bug zu hüpfen, währendesten fuhr Werner mit dem Heck an den Anleger. Plötzlich drehte der Bug in die Strömung. Werner will noch mal ausdampfen, aber das Heck reagiert nicht??? Ein freundlicher Helfer hatte sich unbemerkt einer Heckleine bemächtigt und diese am Anleger belegt. Das Schiff treibt durch die Strömung und dreht sich Flußabwärts. Nun machte Werner fix die Heckleine wieder klar und nach einer Wende wurde das Manöver wiederholt, diesmal mit Heidi am Ruder. Werner hüpfte von Bord und schwupps war das Schiff angelegt.
Nachdem das Schiff für die Nacht vertäut war, zogen wir uns um und liefen zur Brücke von Rooskey. Gleich an der Brücke ist das Lebensmittelgeschäft, hier bekommt man alles vom Bleistift über Steaks bis zum Guinness. Wir kaufen ein, diesmal nur in die Tragetasche. Bei einem Spaziergang an der Westseite fiel uns ein Pub auf, der wie eine Burg gestaltet ist, richtig mit Zinnen und passenden Fenstern. Allerdings wollen wir noch nicht gesellig sein, also ging es wieder zum Schiff, wo Heidi anfängt das Abendessen zu bereiten. Werner kümmerte sich um sein GPS und die Route vom Tage.
Heidi hatte wieder einmal ein exzellentes Mahl gezaubert, sie kann viel zu gut kochen. Nach dem Essen wollten wir einen Verdauungsspaziergang machen, wie wir es vom Camping gewohnt waren. Wir gingen los und Werner sah plötzlich ein Schiff, das offensichtlich anlegen wollte. Wir gingen schnell zu unserem Schiff zurück und halfen beim Anlegen. Siehe da, es ist die Sunflower, die wir schon in Athlone hinter uns liegen hatten. Nach dem Anlegen unterhielten wir uns ein wenig mit den Leuten von der Sunflower und erfuhren, daß sie nur eine Woche am Shannon sind. Wir hatten noch 12 Tage vor uns, die wir genießen wollten. Nun setzten wir den Abendspaziergang fort, besichtigten die Schleuse und damit war wieder ein Tag am Shannon vorüber.
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