25. Juni - Rooskey bis Lough Key
Nach einer wundervollen, ruhigen Nacht standen wir um 8:20 Uhr auf. Morgentoilette war schnell erledigt. Zum Frühstück gab es die ersten Rushers mit Ei, Werner schmeckten sie gut, nur etwas salzig. Heidi war nicht so begeistert. So gegen neun starteten wir Richtung Carrick on Shannon. Die Brücke ist kein Problem für uns, aber ein anderes Schiff, das gerade aus der Schleuse kam musste warten, bis Toni die Hubbrücke gehoben hat. Wir konnten während unserer Liegezeit oft beobachten, wie Toni mit Fahrrad oder Auto zwischen Schleuse und Brücke hin und her pendelt. Diesmal war er mit dem Auto da. Oberhalb der Brücke wartete noch niemand.
Wir tuckern weiter Richtung Albert Lock. Auf dem Lough Bofin war gerade ein Arbeitsboot der Irish Waterways dabei ein Navigationszeichen zu setzen. Wir gaben Gas auf dem See und gewannen Abstand zu den Schiffen, die uns folgten. An Albert Lock angekommen mußten wir warten, wir tuckerten so langsam wie möglich heran, aber es nutzte nichts, wir mußten festmachen. Am rechten Ufer unterhalb der Schleuse lagen wir am Anleger. Die zwei Schiffe, die hinter uns kamen hatten mehr Glück, sie mußten nicht anlegen. Als wir in die Schleuse einliefen, hatte Heidi zu tun, die Bugleine nach dem Ablegen zu ordnen um sie der Schleusenwärterin zuzuwerfen, es klappte prima. Mittlerweile hatten wir Schleusenerfahrung und es wurde fast Routine, nur das Kribbeln blieb bei Heidi. Wir verließen als zweite die Schleuse und wurden aber von allen anderen schnell überholt. Es ist wirklich traurig zu sehen, wie wenig sich die Leute um die Natur kümmern, wir fuhren ohne Heckwelle. Die langsame Fahrt hatte den Vorteil, daß wir die wirklich wundervolle Landschaft am Jamestown Canal bewundern konnten. Bei 5 km/h konnte auch Werner viel entspannter steuern und oft den Blick vom Kurs wenden.
In Carrick on Shannon legten wir bei der Marina von Emerald Star an. Das Römisch-katholische Anlegen war mit unserer Waveduke in den Marinas das Beste und so machen wir es auch. Anschließend schlenderten wir durch Carrick und machen einen Einkaufsbummel bis ca. 15 Uhr. Wir beschlossen unseren Kaffee während der Fahrt zu trinken, da wir sowieso nur noch langsame Fahrt machen wollten. Mittlerweile hatte sich der Himmel aufgeklärt und die Sonne schien so sehr, daß es schnell warm war. Wir mußten die Fenster öffnen um nicht zu schwitzen.
Bei Tumna bogen wir zum Lough Key ab, nahmen im Lough Drumharlow den Kurs südlich der Insel Inishatirra und überquerten den See mit Volldampf. In Cootehall an Anleger beim Gasthaus unterhalb der Brücke trafen wir die Sunflower wieder, irgendwie hatten wir den gleichen Kurs. Bei Clarendon Lock war die Schleuse geschlossen und das Bergtor offen, wir mußten warten. Das Schiff wurde am Anleger unterhalb der Schleuse festgemacht.
An der Schleuse tat sich nichts, man wartete wohl darauf, daß ein Schiff zur Talschleusung kommt. Die Sunflower kam auch und geht bei uns längsseits. Die Besatzung war zu faul, um richtig anzulegen, also machen sie an unserem Schiff fest. Wir spannen etwas Garn und warteten gemeinsam auf die Schleusung. Da kam Bewegung in die Schleusenmannschaft, ein alter Lockkeeper und eine Gehilfin, die stark genug war um die handbetätigten Schleusentore zu bedienen. Die Schleusung ging gut, wie bisher immer. Den Boyle River fuhren wir dann mit langsamer Fahrt hinauf, die Sunflower fuhr schneller und gewann Abstand. Als wir die Boje am Eingang zum Lough Key passiert hatten, gab Werner Vollgas und der Abstand zur Sunflower schrumpfte. Die drehte etwas bei und ließ uns überholen. Wir fuhren mit Vollgas weiter und hängten die Sunflower ab, vermutlich ist dieses Schiff nicht so schnell wie unseres. Das GPS zeigte 12,8km/h.
Wir überquerten den Lough Key und beschlossen in Boyle Marina zu übernachten. An der Einfahrt in den Boyle River hatte ein Schiff von Emerald Star an einem Baum festgemacht um zu angeln. Vor uns fuhr ein kleines Schiff genau wie wir Richtung Hafen. Wir legten wie immer rückwärts an und machten fest. Heidi bemerkte bei diesem Manöver, daß sie sich irgendwie im Rücken gezerrt haben muß, hoffentlich wird es nicht schlimmer.
Während wir einen Rundgang durch die Hafenanlage machten kam plötzlich die Sunflower und legt an der Kaimauer an. Die Männer waren nicht begeistert von diesem Ort: Die Duschen gehen nur mit Chipkarte und die hatten sie nicht. Eine Testangelung mißlingt auch, also legten sie wieder ab und dampften davon. Wir freuten uns, daß wir allein bleiben. Im Hafen war es wundervoll ruhig und die nahe Schnellstraße schlief nachts auch ein. Heidi kochte das Abendbrot und Werner spülte das Geschirr, nachdem wir unseren obligatorischen Abendspaziergang gemacht hatten. Wieder ging ein schöner Tag zu Ende.
26. Juni - Lough Key / Forest Park
Für heute hatten wir einen Ausflug in den Forest Park geplant, also wenig fahren und viel laufen. Wir gingen die Sache ruhig an und schliefen erst einmal aus. Gegen neun wurde aufgestanden und es gab erst mal ein schönes Frühstück. Da der Abwasch erst mit dem heißen Wasser nach der ersten Fahrt gemacht wird konnten wir nach dem Frühstück starten.
Um 10:40 Uhr legten wir ab und tuckerten durch den Kanal zurück zum Lough Key. Das Wetter machte uns keine Freude, es regnete und war kalt. Wir ließen uns dadurch aber nicht beirren, schließlich hatten wir ja Zeit. Der Lough Key empfing uns freundlich, kaum Wellen und auch fast kein Wind. Der Wind wehte außerdem von achtern, so daß er uns auf 13,2 km/h anschob. Gut gelaunt erreichten wir den Anleger vor dem Forest Park und hatten Helfer beim Anlegen. Der Mann wußte wie man anlegt und alles klappte wie am Schnürchen.
Der achterliche Wind hatte unser Heck mit Dieselruß garniert, also war Rein Schiff nötig. Während Werner den Schrubber schwang wusch Heidi auf. Ein Bootsnachbar kam auf einen Schwatz vorbei und erzählte, daß er schon seit 20 Jahren hierher kommt, aber so schlechtes Wetter hatte er noch nie. Wir warteten besseres Wetter ab und ein weiteres Boot legte an. Unser Nachbar hatte wieder jemand zum Schwatzen. Da kamen zwei Mietboote an, eines von Carrick Craft und eines von Crown Blue Line, die Classique 10. Dieses Schiff war auffällig beflaggt, vorn die Bundes-Dienstflagge und hinten eine bayerische mit Wappen. Die Hintere war an einem Weidenast befestigt, der an der Reling mit Kabelbindern angebunden war. Wir zogen unser Schiff nach achten an den letzten Poller, was uns noch leid tun sollte. So passten beide Neuankömmlinge gerade noch vor uns hinein. Unmittelbar vor uns die Classique 10. Zwischen uns zogen sie auch noch das Dinghi, so daß es ständig an unser Boot rummste. Freundlich aufgefordert, verholten sie es so weit, daß vorerst keine Berührung stattfand. Wir freuten uns unbändig über diese Nachbarn, Sechs Männer aller Altersstufen. Ihre erste Feststellung: "Hier gibt es keinen Fernsehraum." Dann fingen sie an zu angeln. Wir tranken erstmal Kaffee (Werner natürlich Tee).
Das Wetter hatte sich gebessert, der Regen hatte aufgehört und die Sonne hatte bereits einmal zwischen den Wolken hindurchgeblinzelt. Also starteten wir unseren Spaziergang, wir nahmen allerdings die Regenjacken mit, vorerst noch im Beutel verpackt. Der Park ist faszinierend, die unterirdischen Gänge wurden erkundet und wie immer wurde aus dem Spaziergang eine ausgedehnte Wanderung. Wir umrundeten Drummans Island und schauten uns 'Bog Gardens' an. Man kommt sich darin vor wie in einem verwunschenen Zauberwald. Natürlich haben wir das Wishing Chair besucht und uns auch etwas gewünscht.
Während der Wanderung hatte es ein paar mal geregnet, so daß wir die Regenjacken nicht umsonst dabei hatten. Der Wind hatte merklich aufgefrischt und wie sehr er weht merkten wir erst, als wir das Boot erreichten. Am Ende des Anlegers liegen ein paar große Steine unter Wasser und wir lagen so weit hinten, daß das Heck gelegentlich auf Grund bumste. Sehr unerfreulich, zumal nach vorn kein Platz war. Vor dem vor uns liegenden Schiff war zwar ein Anleger frei, aber wir hatten die Nase voll von den Seeleuten mit den großen Fahnen, deren Dinghi bereits wieder an unseren Bug rummste. Mit der Hand wurde das Boot quer zum Anleger gezogen und sofort dampften wir ab.
Draußen überlegten wir, wo wir hinfahren. Wir wollten am Forest Park übernachten, aber da waren die Nachbarn nicht gut und geschaukelt hatte unser Schiff auch wie auf dem Meer. Im Captains Handbook von Waveline war der Hinweis, daß die Anleger bei Wind ungemütlich sind und man besser vor Drummans Island liegt. Also fuhren wir kurz entschlossen dahin. Es lagen bereits drei Schiffe am Anleger, aber es war noch Platz. Als wir anlegen wollten räumten sichtlich unbehagt zwei Angler den Steg und gingen auf das eine Boot. Während Werner noch unsicher manövrierte um möglichst effektiv anzulegen, damit die Angler ihren Spaß nicht verlieren sollten, legte das Schiff ab. Diesmal erhielten wir also keine Hilfe. Der Steg hatte nur Ringe zum festmachen und wir taten uns etwas schwer damit. Trotzdem lag das Schiff schnell gut vertäut am Anleger. Wir machten es uns gerade gemütlich, als wieder ein Schiff ankam. Werner wollte beim anlegen mit zufassen, aber die Crew war zu gut eingespielt, so daß es nur zu einem smalltalk kam.
Es war spät und Heidi kochte Abendessen. Heute gab es Spargelsuppe und gebratene Reste. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Heidi aus ein paar Dingen ein leckeres Menü zaubert. Wir wollten wieder mal etwas früher ins Bett gehen, denn an nächsten Tag ging es in den Lough Allen.
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