zur
vorhergehenden Seite..
Hinter uns hatte eine irische Familie, mit fünf Kindern an Bord, angelegt. Das Boot war recht klein und es war ein richtiges Gewusel an Deck. Und was alles in dem Boot verstaut war: Tisch, Stühle, ein Grill und das dazugehörige Grillgut. Es gab Sausages und Burger. Auch Oma und Opa wurden mit versorgt. Platz ist sozusagen in der kleinsten Hütte.
Gleich wird Wilhelm wohl von seinem Angelausflug zurück kommen - Hunger und Durst werden ihn zum Boot zurücktreiben. Bei uns gibt's heute Lammkotelett mit Corn-on-the-Cob und Kartoffeln. Vielleicht gibt es ja morgen Hecht - die zwei von heute Mittag waren etwas zu klein.
Die Sonne hielt sich bis zum Abend und es war ein schöner, klarer Tag mit herrlicher Sicht gewesen. Am späteren Abend kam noch eine Shannon-Star an. Anstatt das Boot vom Außensteuerstand aus zu lenken, mussten die drei Mitfahrer den Steuermann durch Zurufe dirigieren. Warum einfach, wenn's auch umständlich geht. Nach dem Essen gingen wir noch in den Silver Eel Pub, direkt am Hafenbecken gelegen. Es standen eine Menge Autos auf dem Parkplatz und drinnen war es dem entsprechend voll.
Viele Jungendliche sahen sich auf einer Leinwand ein Gaelic Football Spiel an. Leere Chipstüten, Nüsse und Dosen lagen in Massen rum. Die Stimmung war groß. Anscheinend hatte die Mannschaft der Jungs gewonnen; der Pokal stand mitten im Saal. Für das zweite Bier gingen wir dann in die Lounge nebenan. Dort saßen ein paar junge Leute beim Bier. Wir bekamen ein Körbchen mit Sandwiches und Würstchen hin gestellt. Da wir ja schon gegessen hatten, aßen wir nur einen Anstandshappen.
Wieder einmal waren uns die Zigaretten ausgegangen. Also machte Wilhelm sich auf, Geld zu wechseln, um am Automaten welche zu ziehen. Der funktionierte aber nicht richtig und so kam die Wirtin zu Hilfe. Sie trat einmal kräftig gegen den Kasten und schon ging es wieder. So kamen wir dann doch noch zu unseren Glimmstängeln. Wir tranken aus und gingen dann zum Boot zurück.
Bei der irischen Familie waren die Kinder zum Schlafen "ausgelagert" worden. Sie hatten sich auf der Wiese ein Zelt aufgebaut und huschten dann mit der Taschenlampe zum Schlafen. Es war inzwischen wieder empfindlich kalt geworden, nur ca. 6°C, und wir mussten die Heizung anschmeißen. Aber die funktionierte ja, Gott sei Dank, sehr gut. Nach einer Runde Backgammon legten wir uns dann auch hin und schliefen.
Dienstag, 08.06.1999
Trotz einiger Wolken kam die Sonne schon gut durch und als ich aufstand, saß Wilhelm schon im T-Shirt an Deck. Nach Kaffee und Cornflakes rollte er den langen Schlauch, der auch tatsächlich bis zum Boot reichte, aus, um Wasser nachzutanken. Der Schlauch war aus mehreren zusammengefügt und hatte an den Nahtstellen auch ein paar kleinere Lecks. Aber wir kriegten den Tank recht schnell voll. Kurz nach dem Ablegen meinte Wilhelm dann, dass sich die Schraube nicht mehr richtig dreht. Nach ein paar Manövern hin und zurück ging's dann wieder. Wir nahmen an, dass sich beim Ablegen etwas Gras und Schilf in der Schraube verfangen hatte.
Auf dem See wurde dann eine Ehrenrunde gedreht - natürlich zum Schleppen auf Hecht. Aber wie schon so oft: Satz mit X, wahr wohl nix. Dann steuerten wir den Anleger im Lough Kilglass an. Den Steg hatten wir gar nicht so kurz in Erinnerung. Es lagen eine Lake Star und ein kleines Carrick-Boot dort und wir hatten keinen Platz mehr. So beschlossen wir unsere nächste Premiere: der Mountain-River sollte erkundet werden. Angeblich gab es dort Gelegenheiten Bankmooring zu machen.

Der Fluss war sehr schmal und stark verkrautet. Auch die Ufer waren mit Schilf übersäht. Da weiß man dann nicht wo man hinspringt und unversehens steht man bis zu den Oberschenkeln im Uferschlamm. Also keine Chance anzulegen. Wir drehten bei und versuchten es noch mal am Anleger. Aber es war kein Platz frei geworden. Im Carrigeen-Cut, zwischen Lough Kilglass und Lough Carnadoe, fanden wir dann eine schöne Anlegemöglichkeit in einer kleinen Bucht an einer Kuhwiese. Praktischerweise gab es auch schon einen Holzpflock in der Erde, an dem wir dann festmachen konnten. Es war eine sehr schöne Anlegestelle und wir freuten uns über den Platz in der Natur. |

Im Geiste hatten wir uns schon an der Brücke in Carnadoe liegen sehen für die Nacht. Aber hier ist es viel toller.
Nach dem Essen mit überbackenem Toast, Ei und Broten meinte Wilhelm, er könne sich jetzt umfallen lassen, so müde sei er. Was hinderte uns eigentlich daran? Also ging ich ins Bett und Wilhelm machte es sich auf der Couch bequem. Es war so angenehm ruhig, dass wir fast zwei Stunden tief und fest schliefen. Das einzig laute Geräusch machte unser Kühlschrank.
Beim Vorbeifahren eines Bootes wurde ich dann wach. Ich bereitete für morgen unser Gulasch vor und spülte schnell.
Die Sonne war angenehm warm, wobei es letzte Nacht nur 3°C gewesen waren. Wenn's so weiter geht, bekommen wir hier im Juni noch Bodenfrost. Die Kinder hatten heute Nacht im Zelt bestimmt ordentlich gefroren.
Heute Abend gab es die Barschfilets in Weißwein-Sahne-Soße mit Kartoffeln und Salat. Die Krönung des Abends war ein herrlicher Sonnenuntergang. Was wir uns über Tag wünschten, einen klaren Himmel ohne Wolken, sahen wir meist erst gegen Abend. In dieser himmlischen Ruhe werden wir mit Sicherheit herrlich schlafen.
Mittwoch, 09.06.1999
Wenn nicht gegen neun Uhr ein Dinghy vorbei gefahren wäre, hätten wir bestimmt noch länger geschlafen. Der Himmel war trüb und wolkig, aber dafür war es nicht so kalt. Beim Ablegen ging dann der "Drizzle" los. Frühstücken wollten wir in Drumsna nach dem Einkauf. Uns waren nämlich die Rashers ausgegangen. Der Anleger in Drumsna war fast leer und so legten wir am Ende des Steges an. Im Hafenbecken, unserem bevorzugten Anlegeplatz in Drumsna, lagen drei Privatboote und deshalb war für uns kein Platz mehr. Wir gingen in den Ort zum Supermarkt und kauften zum letzten Mal für dieses Jahr für unser "Full Irish Breakfast" ein. Da es wieder fast Mittag war, gab es erneut 2 in 1 (Brunch).
Über Nacht hatten sich viele Eintagsfliegen auf unser Deck verirrt, denen Wilhelm nach dem Essen mit dem Schlauch zu Leibe rückte. Mein Großreinemachen innen vertage ich auf Freitag. Dann lohnt es sich wenigstens richtig.
Da die Sonne sich nicht blicken lassen wollte, machte ich etwas "Augenpflege" während Wilhelm vom Ufer aus angelte. Heute Abend sollte es im Pub Musik geben und mit meinem Mittagsschlaf war ich dann hoffentlich etwas fitter. Unser Essen für heute Abend war ja schon vorbereitet, also konnte ich mich ruhigen Gewissens schlafen legen.
Als ich aufwachte, war der Steg gut gefüllt und ein paar Optimisten kamen noch nach acht Uhr an. Nach dem Essen spülten wir schnell und machten uns gegen neun Uhr auf den Weg zum Pub. Hier hatte sich einiges getan. Es war komplett neu renoviert worden und alle Möbel waren erneuert. An den Wänden hingen Plakate mit der Aufschrift: "Happy 50th Anniversary, Marie". Aber viel los war noch nicht. Wir hatten die Hoffnung auf Musik schon fast aufgegeben, als sich die Tür öffnete und Gitarren, Verstärker und Boxen herein getragen wurden. Wir hätten es besser wissen sollen, in Irland beginnt die Musik immer erst recht spät, so zwischen halb zehn und zehn Uhr. Die Musiker, zwei Männer und eine Frau, bauten ihr Equipment auf und begannen mit den ersten Stücken. Die Frau hatte eine herrliche Stimme, wirkte aber äußerlich etwas burschikos mit Armeehose, Holzfällerhemd und dicken Boots.
Nach und nach trafen immer mehr Gäste ein, die anscheinend zur Geburtstagsfeier von Marie kamen. Es wurden Sandwichplatten und die Geschenke mitgebracht. Nur das Geburtstagskind war noch nicht da. Am Nebentisch saßen ein paar Leute, die aussahen, als wären sie aus den Sixties übrig geblieben oder aus dem Künstlermilieu. Die Frauen trugen indische Batikblusen und -röcke und Jesuslatschen; die Männer mit lichtem Haar vorne und Pferdeschwanz hinten. Inzwischen hatte sich der Pub gut mit Geburtstagsgästen und Touristen gefüllt. Dann kam auch endlich Marie und es wurde ihr ein Ständchen gesungen. Sie erhielt jede Menge Geschenke und Glückwunschkarten.
Ein Freund von ihr übermittelte ihr Geburtstagsgrüße u.a. auch von ihren drei Kindern aus Los Angeles und einer Tochter aus Dublin. Die amerikanischen Kinder würden sie zu Weihnachten besuchen kommen. Es war richtig rührend. Die Katzenmotive, die wir überall gesehen hatten, erklärten sich jetzt auch: Marie setzte sich nämlich für verwilderte oder entlaufene Katzen ein. Zur Feier des Tages wurde eine kleine Tombola veranstaltet, deren Erlös der Katzenhilfe zugedacht war. Wir kauften natürlich auch ein paar Lose. Dann wurden die mitgebrachten Sandwichplatten aufgeteilt, und auch die Touristen bekamen einen Teller hingestellt, obwohl wir gar nicht zur Gesellschaft gehörten. Es wurde kein Unterschied gemacht.
|