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Drei Wochen auf dem Shannon (1)
von Konni und Wilhelm Offer

Freitag, 21.05.1999

Heute hieß es Abschied nehmen von den Murphy's. Das Wetter war über Nacht schlechter geworden; es war sehr stürmisch und regnete ab und zu. Wir hatten uns gestern schon unser Notköfferchen für Dublin gepackt und wollten heute bei der Marina versuchen, unser restliches Gepäck zu deponieren.
Nach dem Frühstück starteten wir zur zweiten Etappe unserer Irlandreise. Am Lough Key wollten wir eine kurze Zigarettenpause einlegen, aber wir flogen beinahe weg. An Rauchen war nicht zu denken. So fuhren wir weiter und waren nach einer knappen Stunde in Carrick-on-Shannon.

Die Emerald Star Line hatte ein neues Verwaltungsgebäude bekommen. Wir meldeten uns an der Rezeption und schilderten dem Mädel dort unseren Fall. Sie hörte sich alles an, überlegte kurz und sah in ihren Unterlagen nach. Dann fragte Sie uns, warum wir den Wagen nicht in der Marina lassen wollten. AVIS hätte eine Station in Sligo und die könnten ihn dann abholen. Sie führte ein paar Telefonate mit AVIS, Limerick Travel und unserem Hotel in Dublin. Dort wollte man versuchen, unser Zimmer weiter zu vermitteln, ansonsten würden Sie es uns belasten.

Dies war uns aber egal, weil wir so einmal die Transferkosten gespart hatten und vor allem die ganze Hin- und Herfahrerei. Der Hit war jedoch, dass sie uns sagte, unser Boot sei schon fertig und wir könnten es ohne zusätzliche Kosten schon heute übernehmen. Wir waren begeistert. Sie rief noch beim Lebensmittelhändler an und orderte die bestellten Sachen für heute. Wir sollten noch ein Stündchen warten, dann wäre alles bereit. So machten wir noch ein paar kleine Einkäufe.

Bei unseren Papieren in der Marina fanden wir einen Brief von zu Hause vor, von unserem Freund Richard. Er begleitete uns in Gedanken. Jetzt ging das Drama mit dem Gepäck los, aber da wir jetzt Zeit in Massen hatten, ging alles wie geschmiert. Erst wurde noch eine Maschine Wäsche gewaschen und schon konnte es losgehen. Wilhelm hatte inzwischen seine Bootseinweisung erhalten und die Lebensmittel waren auch schon da.
Die Marina füllte sich jetzt mit den Leuten, die morgen Ende hatten und so machten wir schnell einen Abflug. Auf den Wäschetrockner wollten wir nicht mehr warten, so wurde die nasse Wäsche eingepackt.
Das Wetter war sonnig, aber trotzdem frisch. Wir kämpften gegen Wind und Wellen an. Am Anleger in Leitrim Village fanden wir einen schönen Platz und Wilhelm spannte erst mal die Leine für unsere Wäsche. Die kräftige Brise würde den Rest schon erledigen. Ein Pärchen machte uns auf etwas am Ufer aufmerksam; dort saß ein Fischotter und verspeiste in aller Seelenruhe einen Fisch.
So langsam meldete sich auch bei uns der Kohldampf. Wir hatten vor lauter Attraktion vergessen, etwas zu essen. Es gab das obligatorische Gericht am ersten Bootsabend, Spaghetti Bolognese. Es war aber so viel Gehacktes, dass wir zusätzlich für den nächsten Tag noch acht Frikadellen daraus machen konnten. Wilhelm machte seine Angel fertig und fing auch nach und nach die ganze Palette des Flusses. Ich rettete meine fast trockene Wäsche vor dem Regen und deponierte den Rest drinnen. Nach einem Schlummertrunk entschlossen wir uns, schlafen zu gehen und fielen todmüde ins Bett.

Samstag, 22.05.1999

Wir schliefen tief und fest. Selbst das Klappern der Badezimmertür störte uns nicht sonderlich. Der Morgen hatte recht sonnig begonnen, aber das war leider nicht von Dauer. So zogen wir uns nach dem Zwiebelprinzip an - T-Shirt, Hemd, Sweatshirt und Pullover.
Wir starteten und an der ersten Schleuse (Killarcan Lock Nr. 16) durch den Kanal fand sich bald der Schleusenwärter ein, der uns eine Einweisung in die Bedienung der Schleusen geben wollte. Als er hörte, dass wir die Tour durch den Shannon-Erne-Waterway schon mal gemacht hatten, beschränkte er sich in seinen Erklärungen auf ein Minimum. Es ist wirklich nicht schwierig mit den Terminals umzugehen. Die Schleusen im Shannon-Erne-Waterway sind kostenpflichtig und werden über eine spezielle Chipcard abgerechnet und bedient.

Der Wind pfiff stark und ungemütlich. Auch die nächsten Schleusen passierten wir ohne Probleme und ich machte mich als Schleusenwärter ganz gut. Es lief alles wie am Schnürchen und wenn sich nicht unsere Mägen gemeldet hätten, hätten wir total die Zeit vergessen. So gab es gegen Mittag in Keshcarrigan Frühstück - dafür aber reichlich. Für die Nacht wollten wir hier aber nicht bleiben. Es war zu windig vom See her und unser Boot ging wie ein Lämmerschwanz. Also fuhren wir weiter nach Ballinamore und fanden im alten Hafenbecken einen tollen Platz.

Unser Telefonakku gab so langsam seinen Geist auf, ein guter Grund mal in den Pub zu gehen. Wir fanden auch einen sehr schönen alten Pub. Die Bar war handgeschnitzt und es gab jede Menge gemütlicher Sofas. Wir durften unsere Akkus aufladen und Wilhelm wollte ein Pintglas kaufen. An Bord gab es nur kleine Gläser, in die keine Dose Guinness Draft passte. Der Wirt kam gleich mit vier Gläsern an und schenkte Sie uns. Anstatt der Bezahlung der Gläser machten wir eine Spende für das hiesige Krebskrankenhaus.
Nach dem Abendessen lockte Wilhelm noch etwas die Fische und ich "verzapfte" diese Zeilen. So hatten wir heute schon eine große Strecke geschafft und waren denen, die Samstag starteten, voraus gefahren. Morgen hatten wir noch fünf Schleusen vor uns und dann war damit erst mal Schluss.

Sonntag, 23.05.1999

Gestärkt von leckerem Brown Bread und einer Tasse Kaffee setzten wir nach neun Uhr unsere Bootstour fort. An der Schleuse Nr. 5, Lock Ardrum, zeigte die Ampel nichts an und auch die Schleusenkarte reagierte nicht. Wilhelm drückte den Knopf für die Zentrale. Anscheinend hatte der Schleusenservice noch nicht gemerkt, dass die Schleuse noch nicht freigegeben war. Kurz darauf funktionierte es. Während unserer Fahrt vorbei an Ballyconnell und Haughtons Shore wurde das Wetter immer schlechter. Der "Drizzle" ging in stärkeren Regen über und weichte uns beim Schleusen auf. Trotzdem genossen wir die Fahrt vorbei an Weiden mit süßen Kälbchen und riesigen Wiesen mit Butterblumen.
Dann hatten wir endlich die Schleuse Nr. 1, Corraquill Lock, hinter uns und wir legten in Aghalane an. Morgen konnten wir es etwas geruhsamer angehen lassen, denn schließlich hatten wir viel Zeit. Vielleicht hat Petrus ja auch ein Einsehen mit uns. Er braucht uns nicht gerade die Hitzewelle zu schicken, aber ab und zu ein wenig Sonne wäre nicht schlecht.

Montag, 24.05.1999

Der Wind hatte wieder aufgefrischt, aber die Sonne ließ sich immer wieder sehen.
Leinen los, und ab ging's Richtung Belturbet. Hier am Anleger war es so windig, dass unser Boot immer wieder abgetrieben wurde. In der Marina von Emerald Star Line holte Wilhelm einen Wetterbericht. Der hörte sich immer gleich an: "Some sunny spells, a bit of drizzle and some showers with wind".
Zum Einkaufen fuhren wir mit dem Dinghy ans gegenüberliegende Ufer, damit wir nicht so weit zu laufen hatten. Pfingstmontag war in Irland kein Feiertag, denn alle Geschäfte hatten geöffnet. Kurz vorm Boot, bei unserer Rückkehr, erwischte uns dann die nächste Regenschauer.
Wir legten ab und die Sonne erschien wieder. So wechselte es x-mal hin und her, Sonnenbrille auf, Sonnenbrille ab, Dach auf, Dach zu, Scheibenwischer an, Scheibenwischer aus. Richtig irisches Wetter.
Vor Geaglum meinte Wilhelm noch, hier könne man sehr gut ohne Wasserkarte fahren, und schwups, waren wir in der falschen Bucht. Die Rückfahrt nutzte er zum Schleppen, bis wir wieder in der korrekten Richtung unterwegs waren. Am Anleger in Tirraroe sah es auch sehr wellig und schaukelig aus, so beschlossen wir weiter zu fahren.

Wir fuhren und fuhren und hatten schließlich das Ardhowen Arts Centre vor uns. Dort machten wir am Anleger fest und sagten uns auch heute, dass wir morgen nicht so lange Strecken fahren werden. We will see.
Wilhelm lockte die Barsche und ich schnappte mir ein Buch. In den Bäumen hinter uns stimmte ein Vogel ein tolles Liedchen an. Nach einer Partie Backgammon ließen wir den Abend ausklingen, friedlich und geruhsam.

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