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Drei Wochen auf dem Shannon (2)
von Konni und Wilhelm Offer

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Dienstag, 25.05.1999

Unser Aufstehrhythmus schien sich allmorgendlich zu wiederholen. Wilhelm machte ganz früh den Anfang und ich zockelte später hinterher. Nach einem "trockenen" Frühstück verließen wir Ardhowen und fuhren nach Enniskillen.
Wir wunderten uns, wie wenig Boote unterwegs waren. An dem Riesensteg am Schwimmbad in Enniskillen lagen nur drei Boote. Wir schnappten uns unseren Rucksack und marschierten in die Stadt. Recht fix hatten wir alles "Lebensnotwendige" zusammen, Geld, Bier, Briefmarken, die Angelerlaubnis, ein paar Lebensmittel, einen Angelstuhl und Postkarten (Schade, die müssen wir ja auch noch schreiben). Mit einem kurzen Stopp am Angelgeschäft, zur Versorgung mit Ködern, fuhren wir Richtung Schleuse, die allerdings fast immer offen steht. Es war nicht mehr so kalt, aber der Wind blies noch recht kräftig.

An Devinish Island vorbei fuhren wir zum Anleger Hay Island, gegenüber der Manor House Marine. Auch hier waren wir allein. Auf der Insel sahen wir einen Schwan auf einem riesigen Nest sitzen. Vater Schwan kam zur Wachablösung angeschwommen, vorher vergewisserte er sich aber, ob es bei uns nicht doch etwas zu fressen gibt.



Heute hatten wir vor, Mittagsschlaf zu machen. Schließlich hatten wir Urlaub. Wir schliefen sofort ein. Durch ein kräftiges Brummen und Stimmen wurden wir geweckt. Es hatte ein Boot mit Iren angelegt und über uns flog in knapper Höhe über dem Wasser ein Hubschrauber. Man konnte fast die Augenfarbe des Piloten erkennen. Die Iren versuchten ihren Kindern Wasserski beizubringen, gaben es aber bald auf. Sie fuhren weiter und so hatten wir den Steg wieder für uns.

Nach dem Abendessen gab's noch eine Runde Backgammon und wir sprangen unter die Minidusche. So hatten wir dort auch in einem Generalreinigung gemacht; zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Wir legten uns in die Kojen und die Wellen von einem vorbeifahrenden Privatboot mit Positionslampen schaukelte uns in den Schlaf.

Mittwoch, 26.05.1999

Auch heute morgen sah das Wetter nicht so verheißungsvoll aus. Nach einem "kleinen" Frühstück machten wir uns auf nach Castle Archdale. Um die Inseln herum hielten sich die Wellen in Grenzen, auf den freien Flächen schaukelte es etwas mehr. Wir machten einen Stopp zum Wassertanken, für einen Spaziergang war es uns aber zu nass.

Dann ging's weiter nach Kesh. Auf dem offenen See kreuzten wir hin und her damit es nicht zu sehr schaukelte. Gegen Mittag kamen wir dann endlich an. Seit dem letzten Mal hatte sich einiges verändert, den Anleger hatte man umgebaut zu einem langen Schwimmsteg. Bei einer Tasse Tee warteten wir auf das Ende einer Regenschauer und gingen danach in den Ort.

Das neue Take-Away - auch zum Sitzen - war sehr zu empfehlen. Direkt angeschlossen eine gute Bäckerei, in der wir uns mit Scones versorgten. Draußen regnete es schon wieder. Zurück zum Boot ließ sich dann aber die Sonne blicken.
Wilhelm nutzte die Gelegenheit und setzte sich mit seinem neu errungenen Angelstuhl nach draußen. Ich hatte auch endlich die richtige Urlaubslektüre gefunden: Maeve Binchy, Ein Haus in Irland. Wir hatten es in den irischen Buchläden überall gesehen, im Originaltitel "Tara Road". Diesen fand ich viel treffender als den deutschen Titel.

Zum Nachmittag hin wurde das Wetter richtig verheißungsvoll und man konnte sich sogar an Deck setzen. Bei Wilhelm bissen die Barsche in allen Größen. Er war zeitweise richtig im "Angelstress".
Nach einer guten Portion Nudeln mit Soße kam unser Backgammonkoffer wieder zum Einsatz und nach zwei Partien fielen uns allmählich schon wieder die Augen zu. Also ab in die Koje und schlafen.

Donnerstag, 27.05.1999

Nach einem barmherzigen Tässchen Kaffee und einer Schnitte verließen wir Kesh. Der See war, im Gegensatz zu gestern, recht ruhig, aber es war sehr dunstig.
Gegen Mittag erreichten wir den Anleger von Belleek. Wir stapften in die Stadt. Der Geldautomat an der Bank wollte leider meine Karte nicht, aber wir hatten noch etwas Bares.

Im Cafe, das auch ein Angelgeschäft ist, kaufte Wilhelm einen neuen Hakenlöser. Im Supermarkt stockten wir unsere Vorräte auf und gingen dann zum Boot zurück. Wilhelm marschierte mit seiner EC-Karte nochmals in den Ort, aber auch die wollte der Automat nicht. "Aus Frust" trank er sich im Pub ein Bier und unterhielt sich dort ausgiebig mit einem älteren Mann. Wir riefen kurz zu Hause an -ein Patenkind hatte Geburtstag- um zu gratulieren. Bei uns war es wohl sehr heiß, wie man uns sagte. Heute war aber auch hier in Irland der erste Tag mit T-Shirt-Wetter. Das Thermometer zeigte stolze 20 Grad und zeitweise sogar noch etwas mehr.

Wir hatten nicht vor, in Belleek zu übernachten und starteten wieder. Auf dem Weg zum See sahen wir etliche Angelboote. Ein Mietboot überholte uns, während Wilhelm an den kleinen Booten das Gas zurück nahm. Die "Raser" waren sich aber keiner Schuld bewusst.
In Rosscor wollten wir eigentlich übernachten, aber der Steg sah nicht sehr Vertrauen erweckend aus. So beschlossen wir, doch heute schon nach Castlecaldwell zu fahren. Der See war total glatt, obwohl etwas Wind ging. Ein echtes Phänomen.
Auch in der Bucht vor Castlecaldwell angelten jede Menge Fischer in ihren kleinen Booten. Auf der Zufahrt zum Anleger gab jenes besagte Boot wieder voll Stoff, damit sie ja vor uns ankamen. Wir fanden aber ohne Probleme Platz. Deren ganze Anstrengung war umsonst gewesen. Wilhelm packte sich ein paar Sachen zusammen und fuhr mit dem Dinghy los. Derweil machte ich mich ans Kartenschreiben. Ich war fast fertig als er zurück kam.

Oben am Anleger stand ein Picknicktisch und Wilhelm hatte schon eine geraume Zeit drei Angler beobachtet, die dort einen großen Eimer mit Fischen filetierten. Wir wollten uns gerade zum Essen setzen, als es draußen Tumult gab. Wir sahen wie einer der anderen Bootsfahrer einem von den Dreien einen Eimer abnehmen wollte. Dabei rutschte dieser unglücklicherweise aus und fiel in den See. Er kam an Land, es gab ein Wortgefecht und er ging zum Tisch und holte sein Filetiermesser. Der andere setzte sich natürlich in Anbetracht des Messers zur Wehr und zog seinem Gegenüber eins mit dem Besenstiel über den Kopf. Er drohte, die Polizei zu rufen und machte dies wohl auch wahr. Als diese eintraf, waren die drei Angler aber schon weg. Es stellte sich im nachhinein heraus, dass der Mann vom Boot die drei schon mehrfach beobachtet hatte. Sie kamen jeden Tag mit einer Masse Fische hier her und kippten anschließend die Abfälle ins Wasser. Daran wollte er sie nur hindern, aber leider fiel der andere dabei ins Wasser. Die Polizei hörte sich alles an und fuhr dann wieder ab. So hatten wir unfreiwilligerweise Kino ohne Geld.

Freitag, 28.05.1999

Beim Aufwachen hörten wir schon, dass es regnete und wir drehten uns noch mal um. Wir ließen alles langsam angehen und nach einem gemütlichen Frühstück machten wir uns auf die Socken.
Der See war spiegelglatt und es war trotz des Regens mild. Unterwegs überfielen uns Tausende von kleinen, grünen Insekten. Wir fuhren zur Erincurragh Marina und tankten Wasser. In einem wurden die ganzen "Leichen" von Deck gespült. Wir stoppten in Carrickreagh und drei Schweizer halfen uns beim Anlegen. Wilhelm rutschte auf dem glatten Steg aus und fiel auf's Knie; ich tat es ihm im Boot gleich und plumpste die Treppe runter. Aber bis auf ein paar blaue Flecken war keiner von uns Beiden ernstlich verletzt. Hoffentlich bleibt das auch so!


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