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Mit einer
Locaboat 935R unterwegs! (Teil 1)
von Martina Friebel |
04.10.2006
Gut schlafen ist anders, um 6 Uhr gebe ich endgültig auf! Ich
schleiche mich aus dem Schlafzimmer und mache mich schon mal fertig.
Schnell noch mal in den Computer geschaut (Suchti, würde meine
Tochter sagen!), aber gestern Abend habe ich Stevie im Shannon-Forum
online gesehen, vielleicht tut sich ja was!
Tatsächlich, ich hatte recht, das Forum ist wieder online und
Uve hat’s als erster gesehen, durch die Zeitumstellung, ich
schicke ihm gleich einen Morgengruß, das geht ja nun wieder
unkompliziert! Jetzt kann ich auch erkennen, dass Tina aus Irland
zurück ist, denn auch sie hat schon einen Gruß im Gästebuch
hinterlassen, also brauchen wir nach ihnen nicht Ausschau zu halten.
Leider habe ich keine Zeit mehr und schalte
den Computer aus.
So langsam taucht der Rest der Familie zum
Frühstück auf. Wir verabschieden uns von unserer Tochter,
sie beginnt heute ihre Schul-Abschlussfahrt nach Ungarn. Ihr Freund
Thomas bringt sie zum Bus. Kurze Zeit später steht auch schon
eine liebe Freundin vor der Tür und befördert uns (meinen
Mann Matthias und mich) zum Flughafen Frankfurt. Zum Glück
sind keine Staus, sodass wir schon um 8.30 Uhr in der Abflugshalle
des Terminal 2 stehen.
Hier in Frankfurt hat AerLingus noch keine
Fast-Check-in-Maschinen, deshalb stellen wir uns in die Warteschlange,
doch es geht recht schnell. Noch für das Angelgepäck zahlen,
einen schnellen Kaffee mit Blick auf das Rollfeld und dann los,
auf den langen Weg zum Gate. Halt, noch das bestellte Parfum für
Inga kaufen. Ein Glück, dass wir daran gedacht haben, heute
sogar im Sonderangebot, da wird sie sich aber freuen !
Unser
Flugzeug startet 10 Minuten später, aber landet früher
als geplant! Nach einigem Rumsuchen finden wir das richtige Gepäckband
hinter einem Paravent versteckt (warum auch immer!?), unser Gepäck
und sogar den Fahrer!
Leider fehlen noch einige Mitreisende
und da deren Flugzeug wohl ziemlich Verspätung haben wird,
gibt man uns einem anderen Chauffeur mit, dessen Fahrgäste
nicht gekommen sind und der nach Hause fährt. Zum Glück
für uns wohnt er ganz in der Nähe von Ballinamore und
wird uns bei Locaboat absetzen.
Wir haben zwar den ganzen Bus für uns, aber wir möchten
gerne vorne sitzen, der Fahrer hat nichts dagegen.
Es regt mich ja schon ein wenig
auf, dass er immer wieder mein Knie tätschelt! Auch Tasche
aufs Bein legen hilft nicht viel, aber bei einem Stopp tauschen
Matthias und ich die Plätze, von da hab ich meine Ruhe! Ansonsten
ist der Fahrer nett, wir unterhalten uns die ganze Zeit über
Irland und den Unterschied zu Deutschland.
Trotz starken Wochenendverkehrs sind wir schon um 15.30 Uhr in der
Marina, wo wir sehr freundlich begrüßt werden. Es liegt
nur eine 935R im Hafen, wir halten genau davor und Matthias beginnt
sofort, das Gepäck zum Boot zu tragen, unterstützt von
Bernard. Nachdem ich die Formalitäten erledigt habe, bekommen
wir eine ziemlich ausführliche Einweisung in alle Eigenheiten
des Bootes. Auf einen Fahrkurs verzichten wir, denn wir wollen so
schnell wie möglich los, erst einkaufen und dann nach Keshcarrigan,
wo Wilhelm und seine Crew für die Nacht festgemacht haben.
Er hatte mich in dem Moment telefonisch erreicht, als wir in der
Marina ankamen!
Wir fahren gleich nach dem Ablegen in den alten
Hafen direkt vor dem Supermarkt. Das Anlegen geht gut, aber später
das Ablegen und Wenden in dem kleinen Hafen bereitet uns einige
Schwierigkeiten! Matthias flucht, und wünscht sich ein Bugstrahlruder
herbei. Schließlich schaffen wir es doch noch und biegen um
die Ecke, auf die Schleuse zu. Das ist jetzt relativ einfach mit
unserer schmalen 935 R und so langsam sinkt unser Adrenalinspiegel
wieder auf Normalpegel! Die untergehende Abendsonne beleuchtet den
Kanal und die Landschaft, es ist wie fahren in einem Märchenland
und jetzt kommt bei uns die Freude hoch, dass wir endlich hier sind!
Gleich lässt sich auch der erste Eisvogel sehen und begleitet
uns ein Stück des Weges.
Schon
bald beginnen wir zu zweifeln, ob wir es wohl noch nach Keshcarrigan
schaffen werden, die Dunkelheit kommt sehr schnell.
Einweisung und Einkauf haben doch ziemlich
viel Zeit verbraucht, man kann nicht schnell fahren und die Schleusen
fressen nur so die Viertelstunden, zumal einige einen ganz schönen
Hub haben.
Das Tageslicht verlässt uns immer mehr, wir fahren mit Scheinwerfer!
In Schleuse 8 ist uns endgültig klar, dass wir den Abend nicht
mit Wilhelm und seinen Mannen verbringen werden und informieren
sie entsprechend.
Schade, aber es ist jetzt wirklich stockfinster,
durch Lough Scur trauen wir uns nicht im Dunkeln, deshalb legen
wir gleich hinter der Schleuse an.
Na ja, machen wir es uns halt allein gemütlich.
Die Heizung sorgt für eine mollige Wärme, wir essen zu
Abend und nachdem wir ein Guinness getrunken haben, können
wir die Augen nicht mehr aufhalten und gehen zu Bett.
Wetter heute: Leicht bewölkt, nachmittags
mehr Wolken, nachts Dauerregen.
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05.10.2006
Matthias hat es tatsächlich immer noch nicht geschafft, den
Wecker seiner Armbanduhr abzustellen, wir werden also um 7.20 Uhr
deutscher Zeit geweckt, zum ersten Mal! Das zweite Mal um 8 Uhr
deutscher Zeit von Vodaphone mit der Erklärung, wie man sein
Postfach in Irland abruft! Sekunden später eine erneute SMS
mit dem ausführlichen Wetterbericht, samt Windvorhersage, von
Holger geschickt!
Um
8.30 Uhr irischer Zeit klingelt mein Handywecker, jetzt reicht es
uns und wir quälen uns aus dem gemütlichen Bett heraus.
Die Matratzen sind gut, wir haben keine Rückenschmerzen.
Es ist regnerisch draußen, aber schön
warm im Boot, vor allem auch im Bad! Wir sind überhaupt ziemlich
angetan von unserem Schiffchen. Uns fehlen nur große Gläser
fürs Guinness, ein Milchkännchen und Eierbecher, ansonsten
ist alles vorhanden. Nach einem ausgiebigen Frühstück,
mit Hot-Cross-Buns (hmmm), und schnellem Spül machen wir uns
auf den Weg. Ärgerlich, nach nur 10 Minuten kommen wir in Keshcarrigan
an, so kurz vor dem Ziel mussten wir gestern aufgeben!
Da sich auf Wilhelms Boot noch nichts rührt,
begeben wir uns erst mal auf einen Rundgang durch den Ort, allzu
viel gibt es nicht zu sehen und weil es nieselt, macht es auch nicht
viel Spaß. Dem kleinen Hund, der uns den Ort zeigt, scheint
das Wetter nichts auszumachen, er ist daran gewöhnt. Eigentlich
wollten wir auf den Sheebeg, aber den haben wir erst mal gestrichen,
man sieht ihn ja nicht mal!
Zurück am Boot begrüßt
uns Wilhelm sehr herzlich. Die Mannschaft sitzt mittlerweile beim
Frühstück, deshalb wollen wir nicht stören, sagen
nur kurz „hallo“ und werfen einen schnellen Blick rundum
im Boot. Das ist ja wirklich ein Riesenschiff! Vor allem der Toploader-Kühlschrank
hat es mir angetan! Da ist enorm viel Platz drin!
Wilhelm
kommt mit auf unser Boot und wir unterhalten uns noch ein wenig.
Dann verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg Richtung Leitrim..
Ausgerechnet jetzt regnet es ohne Unterlass, aber egal, wir sind
einigermaßen wetterfest angezogen und es ist nicht kalt. So
spulen wir eine Schleuse nach der andern ab!
In Leitrim wollen wir gerne anlegen, aber
es ist so wie Wilhelm sagte, selbst für unsere kleine Mühle
ist kein Platz mehr frei.
Alle Anleger sind durch Privatboote belegt, auf denen sich offensichtlich
niemand befindet. Die Besitzer machen hier wahrscheinlich während
der Woche kostenfrei fest und kommen wohl nur am Wochenende zu ihrem
Schiff.
Wir
ärgern uns ziemlich und verpassen deshalb die Einfahrt in den
Lough-Allen-Canal. D.h. Matthias fragte mich noch, ob das wohl die
Einfahrt wäre, aber ich hätte nicht gedacht, dass diese
tatsächlich schon in Leitrim ist! Deshalb beschließen
wir, Norbert und Bine entgegenzufahren und in Carrick-on-Shannon
anzulegen.
Wir legen bei C.C. an und ziehen uns erst
mal um, die Hosen sind doch ziemlich nass. Mir ist die Nässe
auch in die Ärmel geklettert, da ich an den Schleusenpulten
fast immer die Arme hoch halten muss, bis auf das eine, das man
praktisch nur in der Hocke bedienen kann!
Wir gehen ins Büro und fragen, ob wir
uns die Wexford anschauen dürfen, denn wir haben eine Option
auf das Boot für April. Bereitwillig zeigt man uns daraufhin
alle Schiffstypen! Die Wexford sieht wirklich gut aus, sehr schöne
Innenausstattung! Die hässlichen weißen Bussitze hat
man gegen bequeme blaue Lederbänke getauscht. Trotzdem, wir
sind nicht überzeugt, die Frontfenster erscheinen uns sehr
klein, wir finden die Übersicht, die man als Fahrer hat, nicht
berauschend.
Kein Vergleich zu unserem Boot mit seinen großen
Frontfenstern. Matthias hat ohnehin immer noch die Chief im Kopf,
die wir im April hatten, dagegen kommen andere Cruiser nicht an!
Der Techniker empfiehlt uns, an den Anleger
vor dem Landmark-Hotel zu fahren und tatsächlich, dort finden
wir reichlich Platz. Unsere Freunde werden erst morgen eintreffen,
sie sind nur bis zum Camlin gekommen, es war heute wohl sehr stürmisch
am Lough Ree.
 
Wir bummeln durch CoS, verbringen viel Zeit im
Angelladen an der Brücke, kaufen 2 große Gläser
in einem Haushaltswarengeschäft, schauen natürlich bei
der Costello-Church vorbei und landen schließlich in einem
gemütlichen Pub, wo wir jetzt mal ein Smithwicks probieren
und uns sehr nett mit einem holländisch-irischen Paar unterhalten.
Das
Dinner nehmen wir in einem indischen Restaurant ein. Gepflegte Atmosphäre,
gutes Essen, höfliche Bedienung. Nicht ganz billig, aber wir
gehen ja auch nicht jeden Tag dahin! Wir wandern zurück durch
eine schön angelegte Neubausiedlung mit viel Grünfläche
zwischen den Häusern. Ein fast runder Mond beleuchtet unseren
Weg.
Den Abend beenden wir gegen 23 Uhr. Vorher
haben wir noch unsere Mails abgerufen und mit unseren Kindern gesimst.
Dann ergeben wir uns der bleiernen Müdigkeit.
Es ist recht stürmisch und das Wasser
macht seltsame Geräusche mit dem Steg, aber wir schlafen trotzdem
gut, denn wir wissen ja, wo die Geräusche herkommen!
Das Wetter heute: Morgens sehr schlecht! Regen,
aber nicht kalt. Nachmittags sonnig mit kurzen Huschen, sehr windig,
warm, nachts Regen
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06.10.2006
Um 8 Uhr gibt es wieder die ausführliche Wettervorhersage,
diesmal bedanke ich mich mit dem Hinweis auf die frühe Uhrzeit
und von da an kommt die Wettervorhersage eine Stunde später!
Holger ist wirklich nett, dieser Dienst hilft uns sehr bei der Planung
des jeweiligen Tagesablaufs. Danach dann eine SMS von Bine, in der
sie uns ihre Ankunft für 14 Uhr ankündigt. Jedenfalls
drehen wir uns noch mal rum und schlafen auch wieder ein, bis 14
Uhr ist ja noch immer viel Zeit!
Nach
dem Frühstück begeben wir uns wieder Richtung Innenstadt,
denn wir haben Bine und Norbert zum Mittagessen eingeladen, aber
nicht alle Zutaten an Bord. Bevor wir den Centra-Markt anlaufen,
probiert Matthias noch Schuhe an, sie passen nicht, leider!
Im Bookstore liegen die gleichen Bücher
aus, wie bei uns in Deutschland, nur mit englischen Titeln, es dauert
etwas, bis ich kapiert habe, um welche Bücher es sich handelt,
die Titel unterscheiden sich oft doch erheblich, wobei ich die englischen
meist passender finde.
Es geht eine neue SMS ein, wir müssen
das Mittagessen auf 13.30 Uhr vorverlegen. Was uns nur recht ist.
Sie sind tatsächlich pünktlich und
legen direkt neben uns an, wir freuen uns sehr, die beiden wiederzusehen
und setzen uns gleich zu Tisch. Bine hat nicht viel Appetit, Norbert,
Matthias und ich umso mehr!
Nach dem Essen überlegen wir, wie wir
weiter vorgehen. Schließlich und endlich beschließen
wir, unterstützt durch Holgers Wettervorhersage, uns trotz
Wind auf den Weg zum Lough Key zu machen, wo wir um 18.30 Uhr ankommen.
Zwischendurch wechselten sich Sonne und kleine Huschen ab.
 
Wie vorhergesagt, wurde der Wind nicht stärker, sodass wir
keine Probleme hatten, Norbert über den See zu folgen. Wir
legen an Drummans Island an, es sind zwar schon zwei Boote dort,
u.a. das Ausflugsboot, aber mit ein wenig Hin- und Herschieben passen
wir alle an den Jetty. Es ist ja so schön hier, die Aussicht
auf Castle Island und Lough Key sind phänomenal.
Leider
wird es wieder sehr schnell dunkel, aber dann steht ein dicker,
runder Vollmond über den Ruinen von Castle Island, wunderschön!
Nach dem Abendessen kommen Bine und Norbert
noch auf das eine oder andere Guinness rüber, denn bei uns
gibt’s eine sehr gute Heizung!
Dummerweise sind wir alle furchtbar müde
und so schließen wir die Runde schon vor Mitternacht, damit
wir nicht am Tisch einschlafen!
Das Wetter heute: Wechselhaft mit Aufheiterungen,
sehr stürmisch, wenige heftige Schauer.
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(c) 2006, Stefan Kupner
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