Sonntag,
07.09.03 Roosky - Camlin River - Hodson Bay
Irische Pünktlichkeit an einem Sonntagmorgen heißt: Der
Lockkeeper kommt um viertel nach zehn statt um neun. Gut, dass wir
in Urlaub sind und nicht auf der Flucht. Heute wollen wir den Camlin
River angehen. Leider fängt es kurz vor der Einfahrt an zu
regnen, so dass wir die Natur wieder nur im Vorbeifahren erleben.
Keiner von uns hat Lust bei dem Wetter anzulegen.
Wir schauen uns die kleine Schleuse vor Richmond
Harbour an und beschließen sie uns zu ersparen. Also Rückwärtsgang
rein, wenden, und weiter geht's zum Clondara Lock. Hier stehen wir
erst mal etwas ratlos rum. Schleusentor geschlossen, kein Anleger
und auch kein Schleusenwärter weit und breit.
Rückwärts durch die enge Brücke
zurück erscheint uns auch nicht als rettende Lösung. Also
so nah wie möglich ans Ufer und ich kann mal beweisen wie sportlich
ich noch bin. Auf dem Schild, das man sinnigerweise nur lesen kann,
wenn man sich entweder in der Schleuse oder am Ufer befindet, steht,
man solle den Lockkeeper über Telefon rufen. Die Nummer ist
allerdings dick überklebt.
Nach
einem olympiareifen Sprung zurück aufs Boot - die Disziplin
Tiefweitsprung sollte man mal einführen, ich glaube, ich hätte
gute Chancen auf eine Medaille - machen wir am nächstbesten
Baum fest, greifen wir zum Handy und rufen die Nummer an, die in
unseren Karten angegeben ist. Der nette Mensch am anderen Ende der
Leitung gibt uns die Mobilnummer des zuständigen Schleusenwärters,
der auch verspricht in fünf Minuten vor Ort zu sein, was heißt:
ich habe genug Zeit in aller Ruhe Kaffee zu kochen.
Hinter uns hat sich inzwischen noch ein weiteres
Boot eingefunden, die Piraten aus Österreich, die uns schon
im Acres Lake aufgefallen sind. Die Besatzung erweist sich als netter
als die Beflaggung vermuten lässt. Gemeinsam fahren wir in
die Schleuse ein. Ich entschuldige mich höflich beim Schleusenwärter
ihn an einem Sonntag zu stören; die Antwort ist höchst
galant.
Nach der Schleuse wenden wir uns Richtung Lanesborough,
beschließen, dass es noch zu früh ist um für den
Rest des Tages zu bleiben und gehen den Lough Ree an. Gegen den
aufkommenden Wind und in strömendem Regen überqueren wir
den See und machen um halb sechs in Hodson Bay am letzten freien
Liegeplatz im Inneren des Hafens fest. Nach dieser Marathonfahrt
haben wir uns Kaffee und Kuchen verdient. Das Restaurant hat eine
durchaus verlockende Menukarte, aber wir begnügen uns mit Selbstgekochtem
auf dem Boot. 150 Euro sind uns heute doch etwas viel, zumal wir
Mittwoch zu Tims Geburtstag in Kilgarvan dinieren wollen.
Montag,
08.09.03Hodson Bay - Shannonbridge
Wir legen früh in Hodson Bay ab, überqueren den See und
legen noch mal bei Waveline an. Da die Mayo für uns beim nächsten
Mal (leider) nicht mehr in Frage kommt - die Stockbetten werden
für Tim echt zu klein - wollen wir uns die Waveprincess mal
ansehen. Wir haben Glück, es liegt eine unbewohnte im Hafen.
Bernie, einer der netten Angestellten dort, zeigt uns voller Enthusiasmus
auch gleich noch einen Earl. Nun entbrennt unter uns die Diskussion,
welches Boot nun das Schönere ist. Tim und ich stimmen für
die Earl, Pit ist mehr für die Princess. Ein Blick auf den
Preisunterschied beendet die Debatte. Der Earl wird uns einfach
zu teuer.
Nach einem schnellen Frühstück machen
wir uns auf nach Athlone, wo wir erst einkaufen, unter anderem eine
Flasche Wein für Pit (der gibt aber auch nie auf) und dann
Mittag essen. Kurz vor drei geht es weiter nach Shannonbridge, wo
wir gegen fünf ankommen. Beim Anlegen läuft dann alles
schief. Wind, Strömung und ein recht schmales Hafenbecken haben
sich gegen Pit verschworen. Wir brauchen zwei Anläufe und die
tatkräftige Hilfe netter Bootsnachbarn bevor wir das Boot leidlich
sicher an einem der für unser Boot zu kurzen Anleger vertäut
haben.
Wir
laufen noch ein Stück durch den Ort, kaufen ein paar überflüssige
Kleinigkeiten, wie Guinness- Hauslatschen und ein Weinglas für
Pit - dieses schweineteure Zeug sollte man wirklich nicht aus einem
Wasserglas trinken. Der Besitzer des Geschäfts, das dem Pub
"Killeen's" angeschlossen ist, erklärt uns, dass
es abends Live-Musik gibt. Vielleicht sollten wir Irland nicht ohne
dieses Erlebnis verlassen. Andererseits sind wir trotz des traumhaften
Wetters inzwischen alle erkältet und entsprechend schlecht
in Form. Nach Essen
und Spüenl sind wir zwar müde, gehen aber doch noch auf
ein Pint und glauben in Amerika gelandet zu sein. Der Musiker spielt
ausgerechnet Country und Rock. Trotzdem ist es recht gemütlich.
Nach dem ersten Guinness weiß ich, das war auch mein letztes.
Gegen halb zwölf sind endlich alle in den Kojen.
Dienstag,
09.09.03 Shannonbridge - River Suck - Banagher
Nachdem das Anlegen gestern so gründlich daneben gegangen ist,
klappt das Ablegen heute perfekt. Wir tuckern gemütlich durch
den River Suck bis Ballinasloe, bummeln ein Stück durch den
Ort und essen zu Mittag.
Währenddessen setzt der Regen ein, der uns
leider den Rest des Tages begleitet. Auf dem Rückweg darf ich
an der Schleuse meinen zweiten Anlegeversuch unternehmen und knalle
den Bug voll gegen
den Betonpier. Den abgerissenen Fender fische ich mit Hilfe des
Bootshakens wieder aus dem Wasser. Spitzen Trefferquote: 2 Anlegeversuche
= 2 abgerissene Fender. Das soll mir erst mal jemand nachmachen.
Der Rest der Fahrt nach Banagher vergeht ereignislos. Beim Übersteigen
mache ich auf dem glitschigen Steg erst mal einen Kniefall, der
Gott sei dank glimpflich verläuft. Wir schauen kurz bei J.J.
Houghs rein und fragen, ob es abends Musik gibt. Nach dem Abendessen
sind wir dann doch alle viel zu müde und gehen lieber ins Bett.
Mittwoch, 10.09.03 Banagher
- Portumna Castle Harbour
Nach einer extrem unruhigen Nacht - es ist nicht sonderlich angenehm,
wenn der Bug immer wieder auf den Steg rummst - ist es heute zur
Abwechslung mal Tim, der als erster wach ist. Ob es daran liegt,
dass er Geburtstag hat? Vermutlich. Nachdem das Geschenk ausgepackt
und die Kerzen abgebrannt sind, warten wir bis neun um uns ein neues
Fenderauge anschrauben und den 12-Volt-Anschluss, der wohl die Dauerbelastung
nicht vertragen hat, reparieren zu lassen. Außerdem müssen
wir mal wieder tanken.
Gegen zehn legen wir ab Richtung Lough Derg. Kurz
vor dem Victoria Lock sehen wir eine Kilkenny wenden, deren Beifahrerin
uns panisch zu verstehen gibt wir sollten ausweichen, obwohl wir
schon fast im Schilf fahren. Ob die wohl nicht weit kommen, wenn
sie schon vor dem ersten Lock kneifen? Wir haben Glück, die
Schleusentore öffnen sich mit perfektem Timing (klar, wenn
alle Anleger frei sind).
Auch
vor Portumna-Bridge gibt es dieses Jahr keine Probleme. Wir legen
an, zahlen die Brückengebühr, und nach einer Viertelstunde
geht es weiter. Verfolgt von der Shannonprincess, die uns hier schon
das dritte Mal begegnet, fahren wir Richtung Terryglass. Der Wind
bläst inzwischen reichlich heftig und schon dieses kurze Stück
ist extrem ungemütlich. Der Hafen von Terryglass ist mal wieder
hoffnungslos überfüllt. Da wir wenig Lust haben in dritter
Reihe festzumachen, wenden wir und treten den Kampf mit den Wellen
noch einmal an.
Die Töpfe und Tassen scheppern in den Schränken, bleiben
aber drin. Wir fahren das kurze Stück zurück nach Portumna
und machen für den Rest des Tages im Castle Harbour fest.
Wir schauen uns den Ort und das unvermeidliche
Schloss an, das einen phantastischen Küchengarten hat, der
selbst Pit versöhnt, obwohl er uns nur sehr unwillig begleitet
hat.
Auf dem Rückweg zum Hafen finden wir endlich mal wieder einen
Antiquitätenshop, oder sollte ich besser Kramladen sagen? Der
dort stehende Whiskeykrug ist leider nicht in bester Verfassung,
also müssen wir doch in Banagher noch mal schauen. Hoffentlich
flaut der Wind morgen etwas ab; wir haben schließlich in Kilgarvan
einen Tisch reserviert. Im Nachhinein sind wir froh, dass sie für
heute nichts frei hatte.
Donnerstag,
11.09.03 Portumna - Athlone
Aus der Traum vom Dinner in Kilgarvan. Der morgendliche Blick nach
draußen zeigt strahlenden Sonnenschein und einen Wind, der
an Stärke eher zugenommen hat. Der alte Seebär, der jedem
Neuankömmling beim Festmachen hilft, gibt uns zu verstehen,
dass es extrem unvernünftig wäre bei diesem Wind auf den
See zu fahren. Die Crew einer Waveprincess, die gestern über
den See nach Portumna gekommen ist, erzählt von ihrer Tour
auch
nicht begeistert. Also werden neue Pläne für das verspätete
Geburtstagsessen gemacht.
Auf dem Weg zurück in den Norden kommen das
Wineport in den Inner Lakes, das Hodson Bay Hotel und das Le Chateau
in Athlone in die engere Wahl. Die Fahrt nach Athlone zeigt uns
an manchen Stellen, der Shannon ist hier fast so breit, wie der
Rhein, dass unsere Entscheidung nicht die dümmste war. Die
Wellen bei Clonmacnoise haben schon ganz nette Ausmaße angenommen.
Leider kann sich der Wind nie entscheiden, ob er uns von hinten
unterstützen oder von der Seite her ans Ufer schieben soll.
Trotzdem erreichen wir nach gut sechs Stunden ohne Probleme Athlone.
Wir schauen uns das Le Chateau an, aber die Hauptperson des Abends
ist von der Karte wenig angetan. Im Weitergehen fällt unser
Blick auf das Pavarottis und ich erinnere mich an die positive Kritik
aus dem Forum. Wir reservieren für neunzehn Uhr und stürzen
uns in die Antiquitätengeschäfte.
Diesmal
wird Pit fündig und ersteht eine witzige, wenn auch nicht antike
silberne Nagelfeile mit Cover. Bei der englischen Teekanne hat er
aber noch Zweifel. Vielleicht morgen früh. Auch im Süßwarenladen
schlagen wir noch mal kräftig zu. Nach einer kurzen Kaffeepause
ist es Zeit fürs Essen. Ich weiß nicht, ob wir einen
schlechten Tag erwischt haben, aber wir sind am Ende alles andere
als begeistert. Das Essen ist - bis auf die Vorspeisen - höchstens
als mäßig zu bezeichnen und ich habe in diesem Land noch
nie eine dermaßen übellaunige
Bedienung erlebt. Und auch, dass mir in einem italienischen Restaurant
eine Scheibe trockenes Brot zum Vorspeisensalat berechnet wird,
ist schier unglaublich Dafür kann auch die moderate Rechnung
nicht entschädigen. Gegen neun sind wir zurück auf dem
Boot und beschließen den Abend mit einer Kanne Tee und der
schon üblichen Kartenrunde.
Freitag, 12.09.03 Back to
Banagher II
Der Morgen beginnt mit herrlichem Sonnenschein. Pit hat sich nun
doch entschlossen. Er will diese Kanne. Also warten wir bis zehn
und laufen noch mal zu dem Shop. Wir kommen genau pünktlich
zur Ladenöffnung. Wir schwatzen noch ein wenig mit der netten
Dame, gehen zurück zum Boot und legen ab Richtung Heimathafen.
Als wir in die Schleuse fahren, rammt uns fast eine Waveearl, deren
Besatzung vom Blick zur Seite vor dem Ablegen wohl noch nichts gehört
hat. Bis Clonmacnoise haben wir diese und zwei weitere Boote hinter
uns. Wir legen kurz an um einen Kaffee zu trinken, treten aber beim
Anblick der Menschenmassen in dem kleinen Café schnell den
Rückzug an.
In
Shannonbridge darf ich noch mal anlegen und versau mir mit einem
perfekten Manöver glatt meine Quote. Meinem Selbstvertrauen
tut es trotzdem gut. Um kurz nach drei machen wir in Banagher fest.
Der Check-out geht gewohnt schnell und reibungslos. Wir können
also den Rest des Tages in Ruhe Koffer packen, bei Heidi Kaffee
trinken und einen Pulli für den Enkel kaufen. Kochen, Saubermachen
und ein kurzer Abstecher zu J.J.Houghs, über dessen Verlauf
wir besser den Mantel des Schweigens legen. Es gibt Dinge, die gehören
einfach nicht in einen Reisebericht.
Samstag, 13.09.03
Nachdem wir gestern erfahren mussten, dass der einzige Transfer
nach Shannon schon um zehn Uhr geht, ist heute Frühaufstehen
angesagt. Wir versuchen zum Frühstück alle übrigen
Lebensmittel zu vertilgen, was uns aber nicht ganz gelingt. Also
werden die Reste in die ohnehin übervollen Koffer gestopft.
Als wir um kurz vor zehn zum Parkplatz kommen,
trifft uns fast der Schlag. Wie zum Teufel sollen all die Leute,
Koffer und Taschen in diese zwei Minibusse passen? Wir schauen dem
Schieben und Drängeln erst mal zu und warten ab. Am Ende bietet
der eine Fahrer an, zwei von uns in den einen und einen in den anderen
Bus zu stopfen. Selbst Monique, die inzwischen dazugekommen ist
schüttelt darüber den Kopf. Pit und ich wechseln einen
Blick und wissen, wir sind uns einig. Diese Busse dürfen ohne
uns fahren. Wir wollen unseren letzten Tag nicht in einer Meute
übelgelaunter, unfreundlicher Exurlauber verbringen.
Wir
lassen uns von Monique für Mittag ein Taxi bestellen und gehen
erst mal auf Kaffee und Scones zu Heidi. Pünktlich um zwölf
ist der Wagen am Hafen. Wir verstauen unser Gepäck und los
geht's. Die Fahrt ist höchst angenehm, mit einer guten, vorsichtigen
Fahrerin, die immer gewillt ist unsere Fragen zu jedem Thema zu
beantworten. Um zwei kommen wir entspannt am Flughafen an, gehen
erst Kaffeetrinken, dann einchecken und wieder ins Café.
Die Zeit bis zum Boarding ist immer noch lang, aber irgendwann geht
es dann doch los.
Obwohl mit einer Viertelstunde Verspätung beim Abflug sind
wir pünktlich in Düsseldorf, wo wir schon erwartet werden.
(c)2004, Text: Sabine Tobias, Fotos: Sabine Tobias,
Stefan Kupner.
Alle Rechte vorbehalten.
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