Samstag,
30.08.03 Back to Banagher
Heute ist wieder früh aufstehen angesagt. Der Morgen begrüßt
uns auf eigenartige Weise, strahlender Sonnenschein bei Temperaturen
knapp über dem Gefrierpunkt (+4°C). Gegen neun fahren wir
in Kilfinnane los, machen zwei kurze Pausen in Holycross und Birr
und sind gegen eins bei CC in Banagher, wo noch eine Stunde Warten
angesagt ist, bis wir unsere Mayo übernehmen können.
Die W4 wie letztes Jahr auch, aber sie ist
in einem bedeutend schlechteren Zustand. Gegen 15 Uhr verlässt
uns Pit um das Auto nach Shannon zurück zu bringen. Also trifft
mich dieses Mal die praktische Einweisung. Ich weiß zwar immer
noch nicht warum Männer nicht zuhören, aber zumindest
habe ich die Bestätigung geliefert, dass Frauen schlecht einparken.
Vier Versuche und ein abgerissener Fender, bis ich den Kahn wieder
an seinem Steg liegen habe sind nicht gerade ein ermutigender Start.
Ich glaube, der Einweiser ist sehr erleichtert, als er erfährt,
dass Pit ab morgen den Posten des Skippers übernehmen wird.
Na gut, ich auch.
Gegen zwanzig Uhr ist mein Mann zurück
und nach einem kurzen Pubbesuch und einem kargen Abendessen verschwinden
wir in den Kojen. Als ich das erste Mal wieder in der Nasszelle
stehe - Badezimmer kann man kaum dazu sagen - frage ich mich ernsthaft,
warum ich mir das freiwillig antue. Aber ich weiß, in ein
paar Tagen nehme ich es wieder als selbstverständlichen Teil
dieser Art zu reisen.
Sonntag,
31.08.03 Banagher - Killinure
Das Wetter ist ähnlich wie gestern: Trocken aber kalt. Wir
kaufen noch ein paar Teile ein, frühstücken und fahren
um elf los. In Clonmacnoise sehen wir den perfekten Liegeplatz,
typisch: immer wenn man keinen braucht! Auch Athlone lassen wir
nach dem Schleusen, was trotz der rettungslosen Überfüllung
problemlos funktioniert, links - na gut rechts - liegen, und fahren
auf den Lough Ree zum Killinure Point, wo wir gegen 16 Uhr ankommen.
Ich hatte mir die Marina viel kleiner vorgestellt,
aber wir freuen uns natürlich über die Auswahl an Liegeplätzen.
Wir gehen erst mal ein Stück spazieren und schauen uns die
Gegend an. Schon nach wenigen Metern habe ich auch mein Traumhaus
gefunden. Zum Abend gibt es mal wieder mal Spaghetti und meine Männer
müssen das Schlachtfeld, das ich hinterlasse, aufräumen,
was bei beiden zu extrem "guter" Laune führt. Müssen
sie durch, ich habe schließlich auch Urlaub. Nach dem Abwasch
gibt es noch eine gemütliche Uno-Runde und dann geht es ab
in die Kojen.
Montag, 01.09.03 Killinure - Lanesborough
Morgens gegen zehn fahren wir los über einen spiegelglatten
Lough Ree. Wenn man davon absieht, dass meine Männer meine
Duschzeit dazu nutzen in eine völlig falsche Richtung zu fahren,
verläuft der Törn heute recht ereignislos. Mit einem frisch
geduschten Navigator erreichen wir Lanesborough gegen Mittag und
beschließen nach Einkauf und Mittagessen, dass der Rest des
Tages einfach verbummelt wird. Die Schleusen und Brücken von
Tarmonbarry und Roosky sparen wir uns für morgen auf. Wir besuchen
bei unserem Stadtbummel schnell die Schlossherren von Lanesborough
Castle.
Beim heutigen Kochen stoße ich schnell an
die Grenzen des Möglichen einer Bordküche. Morgen also
wieder was Einfacheres. Kommentar der Spülbrigade: Vor allem
etwas mit möglichst wenig Abwasch.
Dienstag,
02.09.03 Lanesborough - Carrick-on-Shannon
Gegen halb zehn verlassen wir Lanesborough weiter Richtung Norden.
In Termonberry erklärt uns der Schleusenwärter, dass wir
mit unserer Mayo nicht auf die Brückenöffnung warten müssen,
aber als wir die Brücke passieren hebt sie sich schon für
ein anderes Boot, so dass mir klaustrophobische Gefühle erspart
bleiben. In Roosky halten wir zwischen Schleuse und Brücke
und ergänzen unseren Proviant.
Danach geht es weiter, wir wollen noch bis Carrick.
An der Abzweigung zum Albert Lock wird uns etwas mulmig, nachdem
die IWAI gestern über das Niedrigwasser im nördlichen
Shannon informiert hat und von zwei auf Grund gelaufenen Booten
an eben dieser Abzweigung berichtet wurde. Aber auch hier gibt es
keine Probleme, obwohl wir vor der Schleusenöffnung noch eine
Weile kreuzen müssen. Der Jamestown Canal gefällt mir
besonders, weil die Bäume von beiden Seiten bis ins Wasser
ragen. Von hier bis kurz vor Carrick haben wir das Gefühl völlig
allein auf dem Fluss zu sein. Es sind überhaupt viel weniger
Boote unterwegs als im letzten Jahr, als wir Mitte August auf dem
Shannon waren. Um halb sechs erreichen wir Carrick, und machen für
die Nacht fest. Wir bummeln noch ein Stück durch den Ort und
kehren zum Essen aufs Boot zurück.
Mittwoch,
03.09.03 Carrick - Lough Key
Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir gegen halb
elf in Richtung Lough Key, wo wir uns zuerst den Forest Park anschauen.
Das Besucherzentrum ist nicht sonderlich attraktiv, aber durch den
alten Baumbestand ist der Park wirklich einen ausgiebigen Spaziergang
wert.
Unserer dauert fast zwei Stunden, so dass wir danach
nur noch das kurze Stück nach Boyle fahren, obwohl uns der
Gedanke ans Rückwärts-Anlegen nicht sonderlich behagt.
Bei unserer Ankunft dort hat nur eins von den vier Booten tatsächlich
römisch-katholisch festgemacht, die anderen liegen Bug zur
Mauer. Dass wir am Ende "richtig" liegen, verdanken wir
eher dem Wind, als unserem Geschick. Aber das sieht ja keiner.
Wir
laufen den sehr schön angelegten Fußweg Richtung Boyle,
wo wir als erstes über und dann durch die alte Abtei stolpern.
Tims "Kulturhunger" haben wir auch noch die anschließende
Besichtigung von "King House" zu verdanken, die durchaus
lohnenswert ist, mir aber endgültig Plattfüße beschert.
Mühsam quälen wir uns die Viertelstunde zum Hafen zurück.
Zum Abend gibt es Pfannkuchen - jeder Ire würde jetzt grinsen
- das gehört hier ja eher zum Frühstück. Pit braucht
zum Pfannescheuern hinterher fast so lang wie ich zum Backen.
Beschichtete Pfannen gehören leider nicht zur Ausstattung an
Bord der Mayo.
Donnerstag,
04.09.03 Boyle - Acres Lake
Um kurz vor sieben weckt mich strahlender Sonnenschein. So macht
aufstehen Spaß. Gegen halb zehn starten wir in Richtung Lough
Allen. Vorher biegen wir noch kurz in den B&B Kanal ein wo wir
in Leitrim eine Kaffee- und Einkaufspause machen und kurzfristig
ernsthaft darüber nachdenken die sechzehn Schleusen Richtung
Lough Erne zu fahren. Nachdem wir die verbleibenden Tage gezählt
haben - wenn wir keinen
Kalender hätten, wären wir echt
aufgeschmissen- entscheiden wir uns dagegen und bleiben bei der
geplanten Route.
Die
erste Schleuse bei Battlebridge hätten wir fast übersehen.
Wir legen kurz an und warten bis der junge Schleusenwärter
das Tor für uns öffnet. Die Schleuse ist erschreckend
schmal und hoch. Auf meine Frage, ob der Kanal genauso eng ist,
bekomme ich eine wenig beruhigende Antwort. Trotzdem fahren wir
weiter und sind begeistert. Der Kanal ist zwar sehr eng aber wunderschön.
Die Bäume am Ufer wachsen fast bis in die Mitte des Kanals,
so dass man an manchen Stellen durch einen natürlichen Tunnel
fährt.
Ich
sitze auf dem Vorderdeck und mache ein Foto nach dem anderen bis
mich eine volle Speicherkarte stoppt. Gegen fünf erreichen
wir die zweite Schleuse, die uns noch höher vorkommt und kurz
darauf noch immer ohne jeglichen Gegenverkehr den Acres Lake, der
fast an einen Schweizer Alpensee erinnert. Nur die hohen Berge im
Hintergrund fehlen. Wir machen noch einen Spaziergang nach Drumshanbo
und schauen uns die letzte Schleuse vor der Einfahrt in den See
an. Zurück im Hafen genießen wir erst den Sonnenuntergang
und dann das Dinner.
Freitag,
05.09.03 Acres Lake - Dromod
Der Tag begrüßt uns mit Wind und strömenden Regen.
Wir müssen uns also nicht darüber ärgern, dass wir
wegen Spritmangels nicht auf den Lough Allen fahren können.
Gegen halb zehn verlassen wir Acres Lake, leider einen Augenblick
zu spät, direkt vor uns fährt eine Crown Blue Line in
den Kanal ein. Also fahren wir noch langsamer als auf dem Hinweg
und kommen an den Schleusen immer genau so an, dass unsere Vorhut
gerade in die Schleuse einfährt und wir in Ruhe anlegen
können um dem Treiben zuzusehen.
Kurz vor eins erreichen wir Carrick, gerade noch
rechtzeitig um vor der Mittagspause zu tanken. Da es immer noch
wie aus Eimern schüttet, verzichten wir auf einen Bummel durch
Carrick und fahren direkt weiter Richtung Süden. Hinter dem
Jamestown Kanal, der uns plötzlich viel breiter vorkommt, wagt
sich zögernd die Sonne raus und als wir Dromod erreichen, können
wir die Pullis kurzzeitig ausziehen.
Wir
schauen uns den Ort an und essen im "Brandywell" verfrüht
zu Abend. Als wir den Pub verlassen, gießt es wieder, was
uns aber nicht davon abhält uns noch den wirklich hübschen
Bahnhof anzusehen. Zurück auf dem Boot lacht auch die Sonne
wieder und versöhnt uns mit einem traumhaften Regenbogen. Die
nächste Stunde verbringen wir mit Lesen, den anderen beim Einlaufen
zuschauen und damit diesen Reisebericht weiter zu schreiben. Ein
paar Uno-Runden beenden den Abend.
Samstag,
06.09.03 Dromod - Carnadoe Waters - Roosky
Das erste Frühstück auf der eingebauten Sonnenterrasse
wird herrlich in die Länge gezogen. Obwohl wir früh aufgestanden
sind wird es halb zwölf bis wir ablegen, um in den Carnadoe
Waters herumzuschippern. Langsam tuckern wir durch den Carrigeen
Cut in den Kilglass Lough. Irgendwo erwischen wir die falsche Abzweigung
- Marker sind hier eher Mangelware - und landen in einem romantischen,
aber sehr engen und krautigen Seitenarm des Sees.
Etwas unsicher schleichen wir weiter, bis wir einen Anleger sehen,
der eindeutig nicht der Kilglass Jetty ist und beschließen
die Gelegenheit zum Wenden zu nutzen. Zurück auf dem See nehmen
wir die nächste Abzweigung und legen bald darauf am Kilglass
Jetty an.
Etwas zu optimistisch decken wir den Tisch wieder
draußen und müssen - kaum dass wir die ersten Bissen
im Mund haben - vor dem plötzlich einsetzenden Guss nach drinnen
flüchten. Fünf Minuten später lacht die Sonne wieder
hinter den Wolken hervor. Irisches Wetter eben. Gegen siebzehn Uhr
sind wir wieder in Dromod und müssen feststellen, dass alle
Anleger besetzt sind. Also weiter Richtung Roosky. Hier finden wir
einen der letzten schönen Plätze zwischen Brücke
und Schleuse. Wir gehen noch einmal in den Ort um die fehlenden
Zutaten für unsere Bolognese zu besorgen und der Rest des Abends
verläuft gewohnt gemütlich.
zur nächsten
Seite..
|