Nachdem uns der vorjährige Urlaub in Irland
so gut gefallen hatte, war es keine Frage was wir in diesem Jahr
machen wollten. Natürlich wieder die grüne Insel. Schnell
war der Vermieter gefunden, es gab für uns keine Alternative:
Waveline. Auf einem Waveearl wollten wir den Norden erkunden. Wir
hatten uns entschieden 2 Wochen mit dem Boot zu fahren und den Mittwoch
als Übernahmetag gewählt. Nachdem Aerlingus über
Nacht 200,-- Euro teurer geworden war suchten wir eine andere Airline
und fanden mit Germanwings das Richtige. Es ging zwar ab Köln,
aber dafür war der Preis ok.
Den ersten Schreck bekamen wir als die Verfügbarkeitstabelle
bei Waveline zu unserem Termin plötzlich keinen Waveearl mehr
frei zeigte. Aber Dank Stefan Kupners "Shannon-Travel"
war dies sehr schnell geregelt und das Boot gemietet. Nachdem alles
klar war, konnten wir uns also intensiv mit der Angelegenheit befassen.
2 Tage später kamen unsere Freunde Manfred
und Sigrid, mit denen wir am Lot und am Canal du Midi waren, mit
der Frage, ob sie nicht vielleicht ev. für 8 Tage mitfliegen
könnten.
Der Waveearl ist groß genug, der Flug war ebenfalls noch verfügbar,
also klar, sie können mitkommen. Die Frage des Transfers von
Carrick on Shannon, wo wir sie nach der 1 Woche von Bord lassen
wollten war, dank der tatkräftigen Unterstützung von Stefan
und dem Team von Waveline, auch sehr schnell geklärt. Es konnte
also losgehen.
Viel
zu langsam vergingen die Tage bis wir endlich den 12. Mai schrieben.
Mit Manfreds Octavia ging's über die A3 nach Rahms (dort wohnt
sein Sohn), und mit Elke (Schwiegertochter) ging's weiter nach Köln
zum Flughafen. Wir waren recht früh dran, sodass wir als Nr.
1+2 und 6+7 eincheckten. Nun hatten wir genügend Zeit um das
zu hause etwas zu kurz gekommene Frühstück, zu ergänzen.
Der Vogel war pünktlich und der Ansturm auf die Plätze
hielt sich sehr in Grenzen.
Nach einem ruhigen Flug landeten wir planmäßig
in Dublin und konnten innerhalb kurzer Zeit unser Gepäck in
Empfang nehmen, fanden unseren Fahrer und hörten, dass wir
sofort losfahren können, wir waren die einzigen für heute.
Den starken Verkehr um Dublin herum ließen wir schnell hinter
uns, das flache Land begann, sodass Manfred und Sigrid die ersten
Eindrücke aufnehmen konnten. Das Wetter war auch nicht zu beanstanden.
Marianne stellte plötzlich fest, dass ihr Rückenkissen
weg war, sehr wahrscheinlich im Flieger vergessen, wenn's weiter
nichts ist! Nach flotter Fahrt waren wir ca. 2 Stunden später
am Ziel. Wir waren wieder "zu Hause"
Das
Taxi fuhr bis zum Steg vor, wir hatten unser Gepäck noch nicht
richtig entladen, kam schon Jörg auf uns zu, um uns unseren
Earl zu zeigen. Es war die "Canterbury Bell", die Glockenblume.
Ladet mal langsam aus/ein, dann komme ich zur Einweisung, waren
seine Worte.
Zuerst musste ich natürlich unseren "Shannon-Info-Wimpel"
am Bug befestigen. Mit Schrecken haben wir die riesigen Mengen der
vorbestellten Lebensmittel entdeckt. Man, haben wir soviel bestellt??
Es gehört tatsächlich alles uns. Jörg kam und begann
mit der Einweisung, wurde aber durch seinen Chef gestört, der
ihn brauchte, um ein aufgelaufenes Schiff zu bergen. Kurze Zeit
später ging's weiter, und nach den Erfahrungen hinsichtlich
Einweisung vom letzten Jahr kann ich nur sagen, so muss eine Einweisung
sein. Genau auf den Punkt die wichtigen Dinge erklärt, ausgiebige
Probefahrt raus auf den See, Anlegemanöver gefahren, so können
sich auch reine Anfänger richtig einstimmen.
Dazu kommt die Einweisung auf Deutsch, ist ja für uns optimal.
Danach ging's ins Büro um die Formalitäten zu erledigen
und sofort beim betreten des Büros wurden wir begrüßt.,
als wenn wir schon tausendmal dagewesen wären. Gaby und Romy
das versprochene deutsche Schwarzbrot abgeliefert, und trotz heftiger
Ablenkung durch die Katze gelang es uns den Schreibkram hinter uns
zu bringen.
Den Film noch angeschaut und dann ging's zurück
zum Schiff, bewaffnet mit der neuen DIN A3 großen Flusskarte.
Die restlichen Sachen wurden verstaut, und schon war es auch an
der Zeit zu den Killinure-Chalets zu gehen um dort, wie geplant,
den ersten Abend mit einem guten Essen abzuschließen. Manfred
hatte inzwischen seine Schmerztabletten vermisst! Das konnte ja
heiter werden. Nach einem vorzüglichen Steak und dem ersten
irischen Bier klang dieser Abend vergnüglich aus.
Donnerstag,
13.05.2004Wir wollten nach Süden - Clonmacnoise und Übernachtung
in Shannonbridge. Um 7:30 Uhr war die Nacht zu Ende. Nach einem
ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg. Es
war bedeckt, kein Regen, die Temperatur hätte besser sein können.
Um 10:30 Uhr erreichten wir die Schleuse in Athlone. Hier begegneten
wir dem ersten "Shannon-Info-Wimpel". Charon war mit seiner
Crew am Ende seines Urlaubs auf dem Weg nach Banagher.
Gegen 12.00 Uhr waren wir in Clonmacnoise. Obwohl wir das 2. Mal
hier waren, ist es doch Interessant sich dieses Kloster anzuschauen.
Es sollte auf keiner Fahrt in den Süden fehlen!
Am frühen Nachmittag kamen wir nach Shannonbridge,
unsere zweite Übernachtungsstation.Der schöne neue Anleger
war leider mit recht vielen Dauerliegern besetzt, sodass wir nur
noch ganz knapp einen Platz fanden. Bei einem Bummel durch den Ort,
füllten wir unsere Vorräte auf, es fehlte ja nicht viel,
aber Käse hatten wir effektiv zu wenig. Killeen's Pub wurde
bei Tag betrachtet, mit dem Hinweis an unsere 2 Begleiter, dass
wir hier heute Abend vielleicht ein wenig irische Musik hören
können.
Zurück
an Bord, stärkten wir uns mit einigen "Elchen" (unser
Ausdruck für einen Einlaufsherry) und nachdem wir zum Abendessen
mit unserer Nudelwoche begonnen hatten, erfreuten wir uns an einem
herrlichen Sonnenuntergang. Anschließend machten wir uns auf
den Weg in den Pub. Leider war es mit der irischen Musik Fehlanzeige,
was aber unserer guten Laune nicht wirklich schaden konnte.
Freitag, 14.05.2004
Nachdem wir heute unsere weiteste Etappe vor uns hatten, legten
wir kurz vor 8:00 Uhr ab.
Es war stark bewölkt und es nieselte auch ein wenig. Frühstück
gab's während der Fahrt, und gerade als Manfred mich am Steuerstand
ablöste, begann es etwas fester zu Regnen, wir mussten von
Innen steuern. Aber schon kurz vor der Schleuse Athlone klarte der
Himmel wieder auf, und für den Rest des Tages war das Wetter
gut.
Der Lough Ree, dessen Überquerung nun anstand,
zeigte sich von seiner besseren Seite, sodass wir ohne Probleme
die Überfahrt meisterten. Im Gegensatz zum letzten Jahr konnten
wir sehen, dass eine wunderschöne Landschaft den See umrahmt.
Gegen 12.00 Uhr hatten wir das nördliche Ende erreicht, und
kurz vor der Einfahrt in den Shannon, sahen wir auf der linken Seite
den neu gebauten Anleger von Lanesborough.
Nachdem
das Wetter weiterhin mitspielte, wollte ich unbedingt durch den
Camlin-River fahren. Die Abzweigung war gut zu finden und mit ganz
kleiner Fahrt bogen wir ab, um schon nach kurzem Weg vor dem verschlossenen
Clondara-Look zu stehen. War aber kein Problem, Schleusenwärter
anrufen und dann kann's ja weitergehen. Im Eifer des Gefechts hatte
ich übersehen, dass es gerade mal 13:30 Uhr war, und der Lookkeeper
ja noch seine verdiente Mittagspause hatte. Das nutzen wir dann
auch aus, um etwas zu essen und uns
die nähere Umgebung anzusehen. Marianne sah den engen Kanal
nach der Schleuse und bekam schon Herzklopfen, da passen wir doch
gar nicht durch, ne ne
.
Pünktlich
kam der Schleusenwärter und nach meinen Entschuldigungen, dass
ich ihn bei seiner Pause gestört hatte, konnten wir Hochschleusen.
Die anschließende ca. 500 m lange Passage durch den voll überwachsenen
Kanal ist schon ein herausragendes Erlebnis. Eigentlich wollten
wir im Camlin-River übernachten, aber es war ohne Beiboot nicht
möglich unser Schiff so festzumachen, dass wir hätten
in Ruhe schlafen können. Auch die Fahrt durch den Camlin gehört
nach unserer Meinung zum absoluten Muss. Mit ganz kleiner Fahrt
ist
das gleiten durch den, im Vergleich zum Shannon, doch recht schmalen
Fluss wunderschön. Die Schafe und Kühe schauen auch ganz
genau, dass ja keiner zu schnell fährt.
Also ging's weiter nach Roosky. Tonys Schleuse
war dicht, wir mussten unterhalb festmachen, was durch 2 Dauerlieger
an dem kurzen Anleger doch etwas schwierig war. Nach 15-20 Minuten
kam Tony von der Brücke zurück, um für uns das Tor
zu öffnen und uns
Hochzuschleusen. Natürlich klappte die Einfahrt bei ihm, wie
im vorigen Jahr, nicht so gut, aber die übliche Dose deutsches
Bier sorgte für Entschädigung. Tony gab uns noch den Hinweis,
dass für unseren Earl die Durchfahrtshöhe der Brücke
ausreicht, und er sie also für uns nicht öffnen muss.
An den Anlegern oberhalb war jede Menge Platz, sodass wir uns den
schönsten aussuchten. Um 17.00 Uhr konnten wir endlich den
Motor abstellen.
Es war schon ein anstrengender Trip heute gewesen und 2-3 "Elche"
entschädigten uns.
Ein kleiner Rundgang durch den Ort, natürlich
nicht ohne den Laden an der Brücke zu besuchen, schloss sich
an. In der Bar auf der gegenüberliegenden Seite tranken wir
noch ein Bier usw., um dann den Tag ausklingen zu lassen.
Samstag,
15.05.2004
Um 7:00 Uhr erwachte langsam, bei leicht bewölktem Himmel,
das Schiff. Unsere Tankuhr stand so kurz unter halbleer (voll),
sodass wir uns entschlossen hatten hier unsere Dieselvorräte
aufzufüllen. Nachdem auch die geplante Tagesetappe wesentlich
kürzer war als gestern, wurde das Frühstück verlängert.
Gegen 11.30 Uhr legten wir ab, um gleich wieder bei der Tankstelle
festzumachen. Auf die Frage des Tankwartes, ob wir außer Diesel
noch ev. Wasser bräuchten, sagte ich großzügig nein,
unser Wasservorrat ist noch ausreichend. Was sich später als
Trugschluss herausstellen sollte. Sigrid brauchte unbedingt eine
Post, da sie den Mädels im Laden misstraute hinsichtlich deren
Kenntnisse der Vorschriften über die Höhe des Portos für
Postkarten nach USA. Also suchte sie das blaue Haus, und das dauerte
.
Nachdem die Crew wieder vollzählig war, wurden
die Leinen losgemacht und es ging weiter in Richtung Carnadoe-Waters.
Gestern hatten wir großzügig das Duschen unterlassen,
was wir nun nachholen wollten. Marianne war als erste dran, danach
kam Manfred, der wenig später aus seiner Dusche kam, und ganz
entsetzt sagte, er habe kein Wasser mehr. Nachdem das allseits in
Zweifel gezogen wurde, und alle möglichen Versuche unserem
Tank Wasser zu entlocken fehlschlugen, tröstete ich die Mannschaft
mit dem Hinweis, in Killglas, am dortigen Anleger gibt's Wasser.
Obwohl
nicht geplant, blieb uns also nicht anderes übrig als bis dorthin
zu fahren um Wasser zu tanken. Nach dem Kormoranbaum kam auch sehr
schnell der Steg in Sicht, der von 2 Anglern, die sich aber, als
sie uns sahen, vielleicht auf Grund schlechter Erfahrungen in Sicherheit
brachten, belegt war. An diesen kleinen Steg gelang mir, ich glaube
auf der Reise, das beste Anlegemanöver, was sogar einen der
beiden Angler dazu brachte mit erhobenem Daumen seinen Respekt auszudrücken.
Schnell fanden wir den Wasserhahn, und
heraus, dass unser Schlauch bis dorthin zu kurz war. Was tun? Wir
manövrierten das Boot ohne Motor ganz nah ans Ufer, damit die
Länge unseres Schlauches ausreichte. Nachdem wir eigentlich
alle davon überzeugt waren, unser Wassertank ist zu klein,
defekt oder sonst was, war es natürlich wichtig zu wissen,
wie viel Wasser tanken wir nun. Schnell war eine 2 Literflasche
gefunden, die wir dann unter Zuhilfenahme von Manfreds Stopuhr füllten.
Bei dem wahnsinnig hohen Druck auf dem Schlauch
dauerte es "nur" 50 Sekunden bis sie voll war. Also 25
Sek. für einen Liter, das konnte ja lustig werden. Wir entschlossen
uns, unser Mittagessen zu bereiten, um die Zeit zu überbrücken.
Wir hatten uns morgens Pizza besorgt, die wurde nun in den Backofen
gesteckt. Das Handy klingelt, Stevie war am Apparat. Wir hatten
vor der Reise vereinbart, dass wir uns irgendwo treffen wollten.
Er hatte vor, in Dromod zu übernachten, wir wollten nach Drumsna.
Also verabredeten wir uns für morgen im Lough Key Forrest Park.
Zwischenzeitlich
hatten wir unser Mittagessen hinter uns gebracht und der Tank war
noch immer nicht voll, so dass wir sagten, wir können ja auch
schon mit duschen anfangen. Gesagt getan. Ich weis nicht mehr genau
wie lange es gedauert hat, bis der Tank endlich voll war, wir wussten
danach aber, dass er mit Sicherheit nicht defekt war, sondern schlicht
und einfach leer. Sven, Chef von Waveline, hat mir später bestätigt,
dass der Wärmetauscher ca. 60 ltr. Inhalt hat, demnach also
"nur" ca. 180 ltr. als Kaltwasser zur Verfügung stehen.
Jedenfalls nutzte ich auf der weiteren Reise jeden Wasserhahn um
den Tank nachzufüllen. Nun mussten wir unsere Canterbury Bell
ja auch wieder flott kriegen, was uns mit großer Mühe
schließlich auch gelang. Zurück am Kormoranbaum vorbei
durch den Carrigeen Cut ging's langsam wieder auf den Shannon, um
an unser heutiges Ziel, nach Drumsna, zu kommen.
Entgegen
den Infos aus dem "Shannon-Info"-Forum und der "Hello
Captain" CD von Peter Kondler ist Drumsna schon eine Übernachtung
wert. Der recht neue Anleger ist sehr ruhig, das Umfeld neu hergerichtet
und auch im Ort sind Belebungstendenzen sichtbar. Von der Kunststofffabrik
in unmittelbarer Nachbarschaft haben wir nichts gehört oder
gerochen.
Jedenfalls war es ein recht gemütlicher Abend, Manfred packte
seine Mundharmonika aus und spielte einige Lieder.
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